ca 1540-1560, Kokosnuss, Kupfer feuervergoldet, getrieben, graviert
26 cm
Der Kokosnusspokal zeichnet sich durch seine außergewöhnliche Gestaltung und Dekoration aus, die insgesamt für eine frühe Entstehungszeit um die Mitte des 16. Jahrhunderts spricht. Der Schaft besteht aus einem dicken knorrigen Baumstamm mit einer verschlungenen Astgabel. Aus dem Baum wachsen vollplastische Granatäpfel heraus. Die Fußplatte ist mit einem getriebenen Eierstab verziert. In den drei runden Hervorhebungen sind Profilporträts graviert. Außergewöhnlich sind die Spangen, in deren Mitte vollplastische Frauenköpfe aus einem runden Lorbeerkranz herausragen. Der Lippenrand ist umlaufend mit einer landschaftlichen Szenerie graviert, die eine Bärenjagd im Wald nach gestochenen Vorlagen von Virgil Solis zeigt. Auf der einen Seite ist ein Jäger mit einem langen Spieß zu sehen, der gerade einen Bär mit Hilfe von drei Hunden stellt. Auf der anderen Seite ist der Jäger nach erfolgreicher Jagd vor dem gefesselten Bären dargestellt.
Ausschlaggebend für die frühe Datierung des Kokosnusspokales ist der astförmige Schaft, der sich bei Werken der Goldschmiedekunst aus der Mitte des 16. Jahrhunderts wiederfindet. Dabei haben sich selten Kokosnusspokale aus der Zeit um 1540-60 erhalten. Erwähnenswert sind diesbezüglich die drei Kokosnusspokale mit astförmigem Schaft, die sich in Köln im Museum für angewandte Kunst, in Wien in der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums und in Berlin im Kunstgewerbemuseum erhalten haben. In der Sammlung August Neresheim in Zürich befindet sich ein weiterer Kokosnusspokal mit einem Schaft in Astform und mit einer ähnlichen Fußplatte, der 1536 datiert ist und somit die frühe Entstehungszeit des vorliegenden Prunkgefäßes bestätigt.
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