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Juli 2026

FIRST LOOK: VORHANG AUF FÜR DIE KUNST

Die diesjährige Ausstellerliste mit renommierten Kunsthändlern wie Beck & Eggeling International Fine Art, Wienerroither & Kohlbacher oder Helga Matzke European Silver steht seit einigen Wochen fest. Und bei uns im Messebüro beginnt das große Planen. Welcher Galerist präsentiert sich wem gegenüber, aber vor allem: mit welchen Meisterwerken, welchen Neu- und Wiederentdeckungen von der Renaissance bis zur Gegenwart werden uns die mehr als 50 Händler aus Deutschland und Europa in der Residenz begeistern? Zwischen Alten Meistern und Jungen Wilden, zwischen Vintage-Schmuck und bibliophilen Raritäten wie bei unserem neuen Teilnehmer Antiquariat August Laube aus Zürich sehen wir für die 17. Ausgabe der HIGHLIGHTS, die nach zwei Preview-Tagen vom 15. bis 18. Oktober 2026 stattfindet, einen starken Trend zur Klassischen Moderne: Werke von Chagall, Alexej von Jawlensky, Alfons Walde und Egon Schiele sind angekündigt. Unser „First Look“ kann nur der berühmte Appetithappen für das hochkarätige Kunstangebot der HIGHLIGHTS sein.

Mit der großen Retrospektive im Guggenheim-Museum New York im vergangenen Jahr ist die Expressionismus-Pionierin Münter endgültig in der internationalen Szene angekommen. Im Jahre 1908, als die Landschaft entstand, ließ die Malerin alles Impressionistische hinter sich und entwickelte ihren flächigen Malstil. „Vom Griesbräukeller“ aus dem Angebot von Ludorff wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen.1


Fein, schnörkellos, elegant und antikisierend. Um 1800 entwickelte sich in Schweden mit dem Gustavianischen Stil eine eigenständige Ausprägung des Klassizismus, die französische Vorbilder aufnahm und ins Skandinavische übersetzte. Die vergoldete Konsole, die Hoffmans Antiques anbietet ist dem Bildhauer Pehr Ljung zugeschrieben und zeigt die Eleganz schwedischer Möbelkunst um 1800.2


Franz von Stuck ist eine der prägenden Künstlerpersönlichkeiten um 1900. Berühmt für symbolistische Sujets, aber auch für seine Porträtkunst. Zu seinen Lieblings-Modellen gehörte Tochter Mary.  Stuck inszenierte sie in diversen Rollen: als spanische Infantin, als Jugendstil-Blumenkind und – wie von Kunkel Fine Art angeboten – als Mädchen in Münchner Tracht. Ohne Hintergrund konzentriert Stuck den Blick ganz auf das Gesicht der etwa 16-Jährigen, das über das Familiäre hinaus vom Reiz der Jugend erzählt.3


Der japanische Metallkünstler Takahiro Iede bewegt sich zwischen Tradition und Innovation. Der heute 64jährige reaktivierte für seine Arbeiten eine Jahrhunderte alte Metalltechnik Ayaori-gane, bei dem verschieden Metalldrähte verwebt werden. Seine Formen und Dekore aber ruhen ganz in der Moderne. Für das auf Silber aus fünf Jahrhunderten spezialisierte Kunsthaus Kende gehört er zu jenen zeitgenössischen Metallkünstlern, die altes nicht negieren und zugleich Schönheit neu definieren.4


Albin Egger-Lienz, einer der Großen der österreichischen Moderne, berührt in seinem Werk die tiefen Fragen des Daseins. Vorwiegend in Darstellungen des bäuerlichen Milieus thematisiert der Tiroler Maler Tod, Krieg und das im Abendland symbolisch konnotierte „tägliche Brot“. So auch im Gemälde „Mittagessen“ von 1920 aus dem Angebot von Kunsthandel Freller. Egger-Lienz Werke sind in so bedeutenden Sammlungen wie dem Leopold Museum und der Albertina in Wien vertreten.5


// EXPERTEN-TIPP: DIE MAGIE DER EDELSTEINE

FRAU SCHMITZ, ALS INHABERIN VON “THE OLD TREASURY” BEREICHERN SIE DAS SCHMUCKANGEBOT DER MUNICH HIGHLIGHTS. SIE SIND AUCH GEMMOLOGIN.

WELCHE ROLLE SPIELEN STEINE FÜR DEN WERT VON SCHMUCKSTÜCKEN?

Es gibt Stücke, da sind winzige Steine einzeln als kleine Akzente gesetzt, da fallen sie nicht so ins Gewicht. Aber wenn viele nebeneinander gesetzte Steine wie etwa bei einer stilisierten Blume die Kreation bestimmten, besitzen sie preisliche Relevanz. Dann gibt es Ringe, Anhänger etc, die von einem einzigen großen Stein dominiert werden und Solitäre, die fast den gesamten Wert ausmachen. Da geht es um Reinheit, Schliff, Farbe, Größe. Extrembeispiel: Der „Eternal Pink“, ein rosa Diamant von über 10 Karat, wurde für über 35 Millionen Dollar versteigert. Auch große Rubine sind selten, Smaragde aus Kolumbien oder Saphire aus Kashmir sind etwas Besonderes. Begehrlichkeit kann entstehen, wenn die Minen nichts mehr hergeben. Das ist, als wäre ein Künstler-Oeuvre abgeschlossen. 

Wenn es um bleibende Werte geht, sind synthetische Edelsteine weniger interessant. Das ist ein Industrieprodukt und nicht in tausenden von Jahren unter der Erde entstanden. Was man tun kann, wenn ein Stein beschädigt wird? Ersetzen oder Schleifen, aber dann verändert sich das ganze Stück, da ja auch die Fassung angepasst werden muss. Ein seriöser Händler wird immer einen Rat wissen.6

Laura Schmitz, Vintageschmuck-Expertin und Gemmologin


KULTUR-TIPP: SARACENOS ZUKUNFTSWELTEN

„Wenn das Lama von den Sternen trinkt und die Spinne Lebenszyklen webt… und die Zeit sich ausdehnt wie Salz.“ So beschreibt der Installationskünstler Tomás Saraceno den konzeptuellen roten Faden seiner Ausstellung „Verwobenen Welten“ im Haus der Kunst in München. In den oft begehbaren Werken denkt der in Berlin lebende Argentinier neue ökosoziale Modelle der Koexistenz von Menschen und anderen Lebenswesen phantasievoll voraus. Sein jüngstes Projekt ist in Zusammenarbeit mit dem Red-Atacana Netzwerk entstanden. Das Wassersystem der indigenen Gruppe im Norden Argentiniens ist durch Lithium-Abbau gefährdet. Öko-Belehrung? Nicht mit Saracenos phantastischen Zukunftsvisionen.7

Verwobene Welten. Tomás Saraceno in Cooperation, Haus der Kunst München

bis 7.2.20207, www.hausderkunst.de

  1. Gabriele Münter, Vom Griesbräukeller, 1908, sign. und dat, Öl auf Malkarton, 33 x 41 cm. Courtesy Ludorff ↩︎
  2. Klassizistischer Konsoltisch, Pehr Ljung zugeschrieben, Stockholm um 1790, Holz, geschnitzt, Carrara-Marmor. Courtesy Hoffmans Antiques ↩︎
  3. Franz von Stuck, Mary in Münchner Tracht, um 1912, Öl über Bleistift auf oktogonalem Malkarton, 35 x 35 cm, in originalem Franz-von-Stuck-Rahmen. Courtesy Kunkel Fine Art ↩︎
  4. Takahiro Iede, Ayaori-Vase, 2019, Silber, Shakudo, Shibuichi, H: 27,3 cm. Courtesy Kunsthaus ↩︎
  5. Albin Egger-Lienz, Mittagessen, 1920, sing. und datiert, Öl auf Leinwand, 89 x 124 cm. Courtesy Kunsthandel Freller ↩︎
  6. Ohrclips-Paar, Trabucci, Mailand, ca. 1970, 18 k Gelbgold, Amethyst, Peridot, Aquamarine und Citrine. Courtesy The Old Treasury ↩︎
  7. Tomás Saraceno in collaboration, Verwobene Welten, Ausstellungsansicht, Haus der Kunst München, 2026, Foto: Agostino Osio. © Haus der Kunst München, 2026 ↩︎