Endlich Zeit zum Lesen, sagen viele. Und freuen sich auf die Weihnachtszeit. Endlich Zeit für die wichtigen Ausstellungs-Kataloge, Künstlermonografien und Biografien, die im letzten Jahr erschienen sind. Gute Publikationen über Kunst sind bekanntlich mehr als nur Bilderbücher. Sie erzählen von künstlerischen Höhen und Niederlagen, vom Ringen um neue Ausdrucksmittel, kühnen Lebensentwürfen und von den tiefgreifenden Gefühlen, die uns vor jedem Meisterwerk erfassen.
Unsere Aussteller verraten Ihnen, welche Publikationen in den letzten 12 Monaten ihre Favoriten waren bzw. sind. Und es ist erstaunlich, wie verzahnt die Themen in der aktuellen Kunstliteratur mit dem Angebot unserer Galeristen und Kunsthändler ist. Wer inspiriert hier wen? Die Kunstszene die Verlage, oder umgekehrt?

Hier wird ein ungewohnter Blick auf das Verhältnis von Mensch und Tier zwischen Realismus und Expressionismus geworfen. Vor dem Hintergrund einer im Umbruch begriffenen Epoche werden ästhetische, gesellschaftliche und politische Entwicklungen und Fragen anhand traditioneller wie avantgardistischer Positionen beleuchtet und ein vielschichtiger Dialog geführt. Es ist die Zeit, die mich als Kunsthändler fasziniert. Menzel trifft auf Marc, Meyerheim auf Macke, Max auf Munch – ein Fest für die Augen einerseits, eine Einladung zur Reflexion andererseits.
Dr. Alexander Kunkel, Inhaber Kunkel Fine Art

Leiko Ikemura begeistert uns schon lange. Der Begleitband zur großen Retrospektive in Wien bietet einen grandiosen Querschnitt durch das Oeuvre der Künstlerin und reflektiert ihre Themen: Transformation, Beziehung zwischen Mensch und Natur, Identität und transkulturelle Ästhetik. Ihre Bildsprache als Malerin und Bildhauerin ist unverkennbar. Westliche und östlich Einflüsse verschmelzen. Die Formen bleiben weich und offen, ihre Farbgebung gedämpft und atmosphärisch. Wer in die Tiefe dieses Werkes tauchen will, findet sensibel geschriebene Aufsätze.
Katja Ott, Direktorin Beck & Eggeling International Fine Art

Es ist gut, dass wieder daran erinnert wird, wie wichtig die Zeichnung und die Druckgrafik für die Expressionisten waren. Deswegen ist der Band für alle, die die Skizzen und Holzschnitte dieser Künstlergruppe lieben, das Buch des Jahres. Es bildet zahlreiche, seltene Werke ab und macht das europaweite, avantgardistische Netz um Marc und Kandinsky deutlich. Immerhin zeigte schon die 2. Blaue Reiter-Ausstellung Grafiken von Ernst Ludwig Kirchner, Robert Delaunay bis hin zu Natalja Gontsharowa. Das Buch vermittelt interessante neue Einsichten, selbst für mich als Händler von Papierarbeiten der Moderne und des Expressionismus.
Thole Rotermund, Inhaber Thole Rotermund Kunsthandel

Der Band beschreibt eine wahre kunsthistorische Odyssee. Von der Begeisterung für ein Bildnis eines bärtigen Mannes von 1557, das einst Teil der Praunschen Kunstkammer in Nürnberg war, bis hin zur Identifizierung als Selbstporträt des Malers Cornelis van Cleve. Spannend zu lesen, wie selbst Koryphäen wie Max Friedländer seine Gemälde anderen zuschrieben. Aber auch reich mit edel fotografierten Kunstwerken bebildert. Dass die Kunstkammer Georg Laue Detektivarbeit in Sachen Kunstgeschichte leistet – Chapeau.
Christian Eduard Landwers, Inhaber Christian Eduard Franke Kunsthandel

Meine Empfehlung ist der Katalog zur aktuellen Ausstellung „Queere Moderne 1900 bis 1950“ in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf. Es ist die erste umfassende Ausstellung in Europa, die den Beitrag queerer Künstler und Künstlerinnen zur Moderne vorstellt. Unsere Galerie steuerte ein Werk der Berliner Künstlerin Lotte Laserstein bei. Bei vielen queeren Vertretern dieser Zeit, spiegelt sich das Experimentieren mit alternativen Lebensentwürfen in neuen Bildsprachen, Perspektiven und einer anderen Ästhetik wider. „Queere Avantgarden und intime Netzwerke“, „Sapphische Moderne“ oder „Queere Lesarten von Abstraktion“ sind nur einige Themen der aufschlussreichen Essays.
Manuel Ludorff, Geschäftsführer der Galerie LUDORFF

Wenn Galeristen sich für einen Künstler begeistern, dann meist mit ganzem Herzen. Peter Femfert verfolgt als Kenner, Kunsthändler und Liebhaber schon lange Werk und Leben des Surrealisten André Masson, der als Erfinder der „écriture automatique“ – zu deutsch: der intuitiven Zeichnung – gilt, aber auch in vielen Gemälden das Labyrinth seiner Seele reflektiert. Der von DIE GALERIE publizierte Band über den Franzosen vereint aus allen Schaffensperioden zahlreiche Werke, die in keinem Museum zu sehen sind. Mit klugen Beiträgen von Diego Masson, Roger Diederen und dem Galeristen Peter Femfert.
Juana Schwan, HIGHLIGHTS-Messedirektorin

Das Porzellan des 18. Jahrhunderts, mit dem sich Langeloh seit über 100 Jahren befasst, ist ein bestens erforschter Bereich, in dem die Sammlung Middelschulte weltweit einzigartig ist. Sie umfasst in wunderbarer Weise 180 bergmännische Gruppen, Figuren und bemalte Tafelservice, vornehmlich aus Meissener Porzellan, aber auch aus den Manufakturen Berlin, Fürstenberg und Wien. Ein ästhetischer Genuss! Einblicke in die Bedeutung der heimischen Rohstoffe für die Erfindung des Porzellans in Sachsen und die Bergmanns-Traditionen schildern Texte führender Kunsthistoriker. Glück auf!
Friedel Kirsch, Inhaberin Langeloh Porcelain
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