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August 2026

INSIDER-PICK: WARUM TOTE FORELLEN EIN GEHEIMNIS HABEN UND EIN FLOH TRAUMWELTEN ERÖFFNET

In unserem Messebüro gibt es derzeit jeden Morgen die gleiche Frage: Was gibt es Neues? Gemeint sind die Exponate unserer Aussteller, die während der Preview-Tage und der Munich HIGHLIGHTS, die vom 15. bis 18. Oktober für alle Kunstfreunde die Türen weit öffnet, in der Residenz angeboten werden. Die gleiche Frage stellte uns unlängst auch Silvie Aigner, die Chefredakteurin der inhaltsreichen und spannenden österreichischen Kunstzeitschrift PARNASS. Sie ist eine ausgewiesene Kennerin der internationalen Szene und Autorin vieler Texte über Kunst. Als Wienerin ist ihr gleich das Gemälde von Arik Brauer ins Auge gefallen, als Kritikerin mit feministischer Perspektive staunt sie immer wieder, dass die Computerkunst-Pionierin Vera Molnár jahrzehntelang auf dem Kunstmarkt nicht präsent war. Lassen Sie sich von ihrem Insider-Pick animieren und inspirieren!

Die frühe Collage aus dem Jahr 1969 aus dem Angebot des Kunsthandels Sina Stockebrand zeigt, wie Vera Molnár mit einfachen geometrischen Formen, serieller Ordnung und minimalen Störungen arbeitete. Der große rote Kreis dominiert das Bildfeld, dahinter liegen konzentrisch angeordnete, rechteckige Rahmen in abgestuften Violetttönen. Die Transparenz des roten Kreises lässt ihn vor dem Hintergrund nahezu vibrieren und erzeugt die, für ihre Bildkonzeptionen so prägnante optische Spannung.1


Märchenhafte Fantastik verbunden mit tiefgründiger Zivilisationskritik prägt die Kunst des Weltenbummlers und Geschichtensammlers Arik Brauer. Anfang der 1960er-Jahre lebte Brauer in Paris, wo auch das kleine Gemälde „Der letzte Floh“ entstand, das auf der HIGHLIGHTS die Galerie bei der Albertina · Zetter anbietet. Die gekonnt eingesetzte Lasurtechnik verleiht dem Bild eine leuchtende Farbigkeit. Einmal mehr staunt man über Brauers große Erzählkunst, über seine detailreichen Traumwelten voller fantastischer Mischwesen.2


Sinnliche Schönheit trifft auf Melancholie – Carina Linges Stillleben wird zum Träger von Erinnerungen, Gefühlen und bedeutungsvoller Symbolik. Nahezu surreal mutet das Setting an, das auch auf zahlreiche kunsthistorische Referenzen verweist. Alltagsgegenstände und Artefakte vereint sie zu einer inszenierten Collage, die auf die Anwesenheit von Menschen verweist, auch wenn sie nicht im Bild zu sehen sind. Ihre poetische Komposition mit Forellen, die von der Galerie Jarmuschek + Partner offeriert wird, ist scheinbar der Zeit entrückt und bewahrt stets noch ein Geheimnis.3


Dynamisch, bewegt und voller Energie wirkt die Papierarbeit des US-amerikanischen Künstlers Sam Francis, die die Galerie Koch in München präsentiert. Die Farbe scheint ihren eigenen Raum zu suchen, breitet sich aus, verdichtet sich, löst sich wieder auf – als würde sie zwischen Bewegung und Stille schweben. Rot, Blau, Grün und Orange begegnen einander wie Lichtreflexe und streben über den Bildrand hinaus. Eine besondere Spannung wird in diesem Blatt manifest. Eine Kunst, die zugleich leicht und intensiv und voller Leuchtkraft ist.4

Dr. Silvie Aigner, Chefredakteurin PARNASS
Detail: Foto © christianjungwirth.com
 

// EXPERTEN-TIPP: WENN KUNST ZUM UMZUGSGUT GEHÖRT

HERR MÜLLER, WENN EIN UMZUG BEVORSTEHT UND AUCH EINE RESPEKTABLE KUNST-SAMMLUNG DAZUGEHÖRT — MÜSSEN DIE KUNSTWERKE DAFÜR EXTRA VERSICHERT WERDEN ODER BEINHALTET EINE KUNSTVERSICHERUNG BEREITS DEN RUNDUMSCHUTZ?

Nicht nur beim Transport, bereits beim Verpacken und Verladen können Beschädigungen entstehen. Deshalb sollten Sammler den Versicherungsschutz vor dem Umzug prüfen. Eine spezialisierte Kunstversicherung bietet in der Regel einen Allgefahrenschutz und schließt Transporte häufig mit ein.

Kommt es dennoch zu einem Schaden, stellt sich die Haftungsfrage. Hat das Umzugsunternehmen den Schaden verursacht, haftet es grundsätzlich nach den gesetzlichen oder vertraglichen Bestimmungen. Allerdings entspricht die Haftungshöhe gerade bei hochwertigen Kunstwerken oft nicht ansatzweise dem tatsächlichen Wert. Eine Kunstversicherung kann diese Lücke schließen. Zudem prüft der Versicherer eventuelle Regressansprüche gegenüber dem Transporteur. 

Bei besonders wertvollen oder empfindlichen Kunstwerken sollte ausschließlich ein spezialisierter Kunstspediteur beauftragt werden.

Unser Tipp: Informieren Sie Ihren Versicherungsexperten frühzeitig über den geplanten Umzug und stimmen Sie Transport, Verpackung und Versicherungsschutz aufeinander ab. .5

Reiner Müller, Geschäftsführer der 1st Asset Assekuranz


HOTEL-EMPFEHLUNG: DAS PLATZL – INSEL FÜR LEIB UND SEELE

Es gibt sie noch – die persönlichen, dezent und stilvoll ausgestatteten Hotels im Herzen von München. Das Platzl ist nur ein paar Minuten entfernt von der Residenz, wo die HIGHLIGHTS zum 17. Mal stattfindet und vom Viktualienmarkt; es verbindet Herzlichkeit mit regionaler Identität. Die Philosophie des Hauses, das in dritter Generation als Familienbetrieb geführt wird, überzeugt: moderne Wohlfühl-Atmosphäre der gehobenen Art, perfekter Service, Passion für ambitionierte Kulinarik. Im Restaurant Pfistermühle kommen bayerische Genussmomente auf den Tisch.6


KULTUR-TIPP: KÜNSTLER DER HIGHLIGHTS-GALERISTEN  IN AKTUELLEN MUSEUMS-AUSSTELLUNGEN

Max Liebermann schuf über die Jahre mehr als hundert Pastelle. Noch bis zum 21. September zeigt die Liebermann-Villa in Berlin in ihrer Sommerschau diese Seite im Schaffen des bedeutenden Impressionisten. Die Galerie LUDORFF bereichert die Ausstellung „Im Fokus. Liebermanns Pastelle. Eine Welt in Kreide“ mit einigen Blättern aus ihrem Galeriebestand.7

Ludwig Passini, Anton von Werner und Adolf Hirémy-Hirschl schufen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Italien-Motive. Die Ausstellung „Sehnsucht nach dem Süden“ im Museo Castello San Materno in Ascona vereint noch bis 23. August 40 Werke von mehr als einem Dutzend Künstler, die zu einer Privatsammlung gehören, die mit Unterstützung von Kunkel Fine Art aufgebaut wurde. Werke dieser Künstler zählen auch im Herbst zum Angebot unseres HIGHLIGHTS-Ausstellers.8

Albin Egger-Lienz steht für die Alpenmoderne. Derzeit widmet das Museum Schloss Bruck in Lienz dem Tiroler Maler eine große Retrospektive, in die der Kunsthandel Freller vier Gemälde, darunter Versionen der Gemälde „Mittagessen“ und „Mahlzeit“ als Leihgabe einbrachte. Zu den HIGHLIGHTS sind die Gemälde am Stand des Linzer Händlers präsent.9

Eberhard Havekost gehörte schon früh zum Künstler-Stamm der Galerie Gebr. Lehmann. Dem früh verstorbenen Maler und Grafiker, dessen Werk sich durch außergewöhnliche Wirklichkeitsausschnitte auszeichnet und dessen Nachlass die Dresdner Galerie betreut, widmet das Museum Kurhaus Kleve bis 18. Oktober die Ausstellung „Eberhard Havekost. Benutzeroberflächen“ mit Arbeiten von 1994 bis 2019. Eine Auswahl an Havekost-Werken ist auch in München zu sehen.10

HIGHLIGHTS-SPECIAL: MY FAVORITE

Lukas Minssen von der Galerie Utermann über Chagalls unverwechselbare Bildsprache:

„Chagall nimmt für uns in der Kunst der Moderne, aber auch in unserer Galerie eine besondere Rolle ein. Er fasziniert mich als einer der wenigen Künstler, die sich keiner Bewegung vollständig zuordnen lassen. Das Nicht-Rationale seiner scheinbar schwebenden Phantasiewelten macht seine Bilder bis heute so lebendig. Er verknüpft Erinnerung und Traum, jüdische Kultur, Symbolik, Liebe und Poesie auf eine Weise, die Melancholie und Glück zugleich anklingen lässt. Chagall wird in allen Kulturen verstanden, denn er verwandelt persönliche Erfahrung in eine universelle Bildsprache. „Mariage au grand bouquet“ von 1979 ist dafür ein wunderbares Beispiel.“11

  1. Vera Molnár, Cercle rouge, 1969, Collage, 27,5 x 27,5 cm. Courtesy Kunsthandel Sina Stockebrand ↩︎
  2. Arik Brauer, Der letzte Floh, 1962, Öl auf Holz, 15,7 x 38 cm. Courtesy Galerie bei der Albertina · Zetter ↩︎
  3. Carina Linge, Stillleben mit Forellen, 2025, C-Print auf Dibond, 70 x 52 cm, 6 + 2AP gerahmt. Courtesy Jarmuschek + Partner ↩︎
  4. Sam Francis, SF 73 – 299, 1973, Acryl und Gouache auf Papier, 54,9 x 44,5 cm. Courtesy Galerie Koch ↩︎
  5. Ohrclips-Paar, Trabucci, Mailand, ca. 1970, 18 k Gelbgold, Amethyst, Peridot, Aquamarine und Citrine. Courtesy The Old Treasury ↩︎
  6. Die Maisonette Suite im Platzl mit Blick über die Dächer der Münchner Innenstadt. Copyright: Platzl Hotel ↩︎
  7. Der Rosengarten in Wannsee, ca. 1928, Pastell auf Velin, 20,5 x 29,5 cm. © LUDORFF ↩︎
  8. Ludwig Passini, Römischer Park, 1860er Jahre, Aquarell auf Papier auf Karton, 37 x 55 cm. Courtesy Kunkel Fine Art ↩︎
  9. Albin Egger-Lienz, Mahlzeit, 1920/1921, Öl auf Leinwand, 60 x 84 cm. Courtesy Kunsthandel Freller Rosengarten in Wannsee, ca. 1928, Pastell auf Velin, 20,5 x 29,5 cm. © LUDORFF ↩︎
  10. Eberhard Havekost, Mario Kart 7, 2012, Öl auf Leinwand, 45 x 80 cm. Foto: Werner Lieberknecht. Courtesy Havekost Estate + Galerie Gebr. Lehmann ↩︎
  11. Marc Chagall, Mariage au grand bouquet, circa 1979, Tusche, Gouache, Pastell und Bleistift auf Velin, 69,2 x 50,3 cm, Signatur und Nachlass-Stempel. Courtesy Galerie Utermann   ↩︎