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ALBRECHT DÜRER

Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg

Saint Jerome in his study

1514, Kupferstich

24.9 : 18.9 cm

Zwischen 1513 und 1514 schuf Dürer seine „Drei Meisterstiche“ in fast gleicher Grösse, von denen seit Langem angenommen wird, dass sie eine konzeptionelle Einheit bildeten. In einem nach den Regeln der Zentralperspektive gestalteten Raum sieht man den Lieblingsheiligen der humanistisch gebildeten Gesellschaft beim Übersetzen der Bibel aus dem griechischen Urtext in die lateinische Vulgata. Die Wirkung des Blatts beruht ganz wesentlich auf der mit grosser Virtuosität dargestellten Textur der verschiedenen Gegenstände, beispielsweise dem weichen Fell des Löwen, den abbröckelnden Kanten des harten Mauerwerks oder der lebendigen Maserung der Holzbalkendecke. Einzigartig ist die Wiedergabe des Lichts, das durch die Butzenscheiben der Fenster fällt und zarte Kringel auf das Mauerwerk und die Fensterstreben malt.
Mit dieser Darstellung ordnet sich Dürer in einen breiten Strom von bildlicher Hieronymus-Überlieferungen ein. Das Gelehrtenbild entwickelte sich aus christlicher Vorstellung im frühen Humanismus in Italien und zeigt den in seinem Studienkabinett lesenden oder schreibenden Gelehrten. Dürers Darstellung ist Teil eines humanistischen Hieronymus-Kultes, der im frühen 16. Jahrhundert auch in Nürnberg blühte. Als Lazarus Spengler, welcher ebenfalls wie Dürer in der Zisselgasse wohnte, gegen 1512, die lateinische von Bischof Eusebius von Cremona verfasste Biografie «De morte Hieronymi» ins Deutsche zu übersetzten begann, war Dürer sicher eingebunden.
Prachtvoller, sehr fein zeichnender, nuancenreicher Druck. Der starke Lichteinfall überflutet das Zimmer in einen heiligen Glanz und verleiht der stillen Szene eine freundliche Atmosphäre. Mit dem dunklen, vertikalen Band stark zeichnend, ein Zeichen für einen Frühdruck.
Horizontale Hängefalte geglättet. Die Randlinie teils mit Tusche und Feder ersetzt. Schmaler Streifen um die Darstellung sorgfältig ergänzt.

AUGUST LAUBE Kunst- und Buchantiquariat
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