Wendorf, Germany 1930 - 2025 Düsseldorf, Germany
Feld
1999, Nägel und weiße Farbe auf Leinwand auf Holz
60 x 40 x 11 cm
Eine weiß grundierte Leinwand, die auf ein massives Stück Holz gespannt ist, bildet den
Träger für Günther Ueckers Relief. Hunderte Nägel schlug er dabei in den Grund. Diese
sind in verschiedenen Winkeln und Feldern organisiert, die Köpfe sind mit weißer Farbe
übermalt. Dabei kreierte er eine wellenförmige Rhythmik, die das rohe Material des
Nagels organisch erscheinen lassen; einem vom Wind gebürsteten Feld gleich, welches
je nach Perspektive seine Wirkung verändert. Die Oberfläche der Nagelköpfe wandelt
sich zum raumgreifenden Objekt, der Wurf des Schattens fällt einmal so, einmal anders
und verlässt dabei seinen Träger, geht in Kontakt mit dem Raum und lässt diesen Teil
werden und Teil haben.
Der 1930 in Wendorf (Mecklenburg) geborene Günther Uecker erlebte als
Heranwachsender den zweiten Weltkrieg und dessen Folgen. 1955 verließ er die DDR
und studierte 1955 bis 1957 an der Kunstakademie in Düsseldorf. Früh wandte er sich
von der figurativen Kunst ab und entwickelte bereits Ende der 1950er Jahre die für
Uecker so charakteristischen Nagelbilder. Seine Begeisterung für Licht, Bewegung
und Dynamik veranlasste ihn den zweidimensionalen Raum zu verlassen und sich der
Dreidimensionalität zu widmen. Auf Nagelreliefs folgten bald „benagelte“ Objekte und
Alltagsgegenstände, Bilder mit Asche oder den Fingern gemalt. Ueckers Werk und Praxis
war stets eine körperliche Kunst, bei der er seine eigene Fragilität und Verletzbarkeit
hinterfragte und sich selbst in dessen Prozess einschrieb: „Wer ihm (…) einmal bei
der Arbeit zuschauen durfte, gewann den Eindruck, dass er die Nägel fast blind und
blitzschnell in einer einzigen und durchgehenden Aktion in das Feld setzte, das er
erst nach Abschluss der Aktion als Ganzes zu Gesicht bekam oder dann, wenn seine
Erschöpfung es erzwang.“1
Gemeinsam mit Heinz Mack und Otto Piene schloss sich Uecker 1958 der Künstlergruppe
ZERO an. Ihre künstlerische Auseinandersetzung inmitten der gesellschaftlichen
Desorientierung und Konfusion der Nachkriegszeit und des nationalsozialistischen
Erbes veranlasste die Gruppe, nach einer eigenen radikalen Neuerfindung der Moderne
zu suchen. Dabei experimentierte Uecker mit unterschiedlichen künstlerischen
Strömungen und Zugängen wie etwa der Installation oder der Aktionskunst.
Uecker setzte sich vermehrt mit (gesellschafts- und geo-) politischen Themen
auseinander und verarbeitete seine Position zu aktuellen Geschehnissen in seinen
Arbeiten. Uecker wird international ausgestellt und gesammelt. Er starb 2025 im Alter
von 95 Jahren in Düsseldorf. Bis zu seinem Tod widmete er sich seiner künstlerischen
Praxis.
1 Dieter Honisch, „Strukturfelder“, in: Günther Uecker. Zwanzig Kapitel, Berlin 2005, S. 60.
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