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Emil Nolde

Nolde 1867 - 1956 Seebüll

Im Herbst

1910, Öl auf Leinwand

55 x 77,5

Als Emil Nolde 1903 in die Abgeschiedenheit der Ostseeinsel Alsen zieht, ist er noch auf der Suche nach seinem Stil. Auf Alsen entdeckt er die Farbe: „Der Maler hatte sich gefunden, die Farben waren seine Sprache geworden. So schwer als mir das Malen anfänglich wurde, so frei und glücklich ging es jetzt von Bild zu Bild.“ Im Herbst 1910 malt Nolde eine Folge von 14 Gemälden mit meist stürmischem Herbstmeer. In diese Reihe gehört auch das Bild „Im Herbst“.

Die kontrastierenden Elemente Himmel und Wasser verweben sich zu einem unruhigen Naturschauspiel. Der Maler hat die Stimmung unmittelbar und impulsiv eingefangen: „Durchs Fenster schweiften frei die Augen über das Meer hinweg, und nichts war zu sehen als nur das Wasser und die Wolken [...].“ Der Komplementärkontrast der Farben steigert den dynamischen Ausdruck. Der Vordergrund greift die Herbstfarben Ocker, Orange, Gelb mit violetten Farbtupfern auf, von links schiebt sich unruhig eine grüne Landzunge ins Bild. Links führt ein heller, gelber Lichtstreifen zum Wasser, das mit knappen Pinselstrichen in Blautönen bewegt ist. Auch hier werden Ocker und Violett als Spiegelung vom Himmel aufgenommen. Der unruhige Himmel überspannt Meer und Ufer. Am oberen Rand dominiert ein dunkles Violett, das in den zerrissenen gelben Wolken kontrastreich als Flecken wieder aufscheint. Hellblaue Flecken und vor allem das Gelb bringen Licht in den Himmel, leuchten den Horizont aus. Den zerrupften Wolken, dem unruhigen Wasser und dem aufgewühlten Strand im Vordergrund entspricht die dynamische pastose Malweise. Im Herbst 1911 setzt Nolde das Thema mit weiteren vier Gemälden fort.

Noldes kunstferne Nachbarn betrachteten die Werke mit Unverständnis, die Natur sehe anders aus, doch das Nachbarmädchen Lisbeth Jäger verteidigt den Maler: „Das soll sie doch auch nicht, es ist ja ein Bild.“ Intuitiv erfasst das Kind Noldes Intention. Der Kunstkritiker Botho Graef bestätigt sie am 21. Juni 1911 in der Jenaischen Zeitung: „[...] die Hauptsache ist die seelische Spannung, mit welcher der Künstler das Naturschauspiel erlebt hat, und die aus seinem Inneren jene dröhnenden Farbklänge hervortrieb.“ (Zitiert nach "Emil Nolde. Der Zauber des kleinen Formats, 64. Jahresausstellung 2020", hrsg. von Christian Ring, Nolde Stiftung Seebüll, 2020, S. 33)

Galerie Utermann
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