5728 Short List eines Museumsdirektors Prof. Dr. Bernhard Maaz

Short List einer Insiderin

Prof. Dr. Bernhard Maaz

Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen

© Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Foto: Haydar Koyupinar.

Die Neugier auf neue, unbekannte Kunstwerke geht nie vorbei, auch wenn man schon Jahrzehnte lang Sammler oder Profi ist. Das haben wir bei Bernhard Maaz erlebt, der seit 2015 Generaldirektor der Bayerischen Staatgemäldesammlungen ist. Als wir ihm erzählten, dass einige Aussteller der diesjährigen HIGHLIGHTS vom 20. bis 23. Oktober 2022 und an den zwei Previewtagen (18.&19.) Papierarbeiten von Max Beckmann anbieten, wurde er hellhörig. Nicht nur, dass er den Maler der grotesken Welttheater für einen der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts hält, bereitet sein Haus zudem eine Max-Beckmann-Blockbuster-Show vor. Aber Maaz ist ein Kunst-Maniac. Ihn interessieren auch die Alten Meister, die Möbel und das Kunsthandwerk. Sechs HIGHLIGHTS-Exponate und ein paar Notizen stehen schon auf seiner Short List für den Messerundgang im Oktober:

„Ein Triptychon mit dem typisch geschwungenen Antwerpener oberen Abschluss, poetisch in der Konzeption der Anbetung des Kindes, fein in der manieristisch veredelten Malerei, die die Materialien der Architektur, die Noblesse der Kleidung und vieles mehr herausarbeitet.“

Jan von Dornicke, Triptychon „Anbetung der Könige“, Antwerpen, 1520
Kunsthandel Peter Mühlbauer

„In Hermann Hesses Aquarell spiegeln sich die Poetik des zeichnenden und gärtnernden Dichters, die Transluzenz von August Mackes leuchtenden Farben und die Reiseerfahrungen europäischer Künstler, die nicht nur ins Tessin, sondern gar bis Tunis reisten: Der gleißende Süden in zarter Verdichtung“

Hermann Hesse, Häuser im Tessin, Aquarell, 1923.
Michael Schwarze Fine Art

„Günther Ueckers Nagelstrukturen wirbeln in geradezu grafischer Weise über das Werk und wirken doch hinaus in den Raum. Seit Christus ans Kreuz genagelt wurde, hat dieses Material auch immer Schmerzen heraufbeschworen. Uecker gab ihm eine neue, geradezu versöhnliche Geschmeidigkeit.

Günther Uecker, Feld, Nägel/Holz, 2006.
DBCA

„Sehr anspielungsreich: Die starken Männer mit der Keule des antiken Herkules als Wächter der Prunkkassette aus dem Besitz des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I., dessen Monogramm sie ebenso sorgsam präsentieren wie die Krone: nicht nur eine Wiederentdeckung, sondern wahrlich ein Schlüsselwerk!“

Prunkkassette, Pierre Fromery, Stahl, Berlin, um 1710/13
Viebahn Fine Arts

„Würde man ihnen live wirklich begegnen wollen – den ‚großen Kellnern‘, die uns an George Grosz und dessen ‚Stützen der Gesellschaft‘ erinnern, an eigensinnige oszillierende Charaktere? Ab November kann man zahlreichen Werken Max Beckmanns in der Pinakothek der Moderne begegnen. Die Ausstellung ‚Departure‘wird ein retrospektiver Überblick über sein Leben.

Max Beckmann, Die großen Kellner, Federzeichnung, 1944
Dr. Moeller & Cie. Kunsthandel 

„Wie ein Gruß aus fernen Zeiten und fremden Landen mutet dieser ‚Horizont‘ an, dessen Himmel nachtschwarz dräut, dessen Landstrich in einem lachsroten Ton in die Tiefe oder in die Höhe strebt. Die vermeintliche Leere der zwei, sich scheu vibrierend begegnenden Flächen wird dicht und dichterisch: Die hard-edge-Malerei wird zum Traumland.

Günther Förg, Horizont, Acryl/Holz, 1988
Kunkel Fine Art

Categories: Uncategorized | Comments 5451 HIGHLIGHTS der HIGHLIGHTS 2022
Die HIGHLIGHTS setzt den Erfolgskurs mit ihrer 13. Ausgabe überzeugend fort. Hochkarätige Kunstwerke von der Gotik bis zur Gegenwart machen die Münchner Verkaufsschau wieder zu Deutschlands aufregendster epochenübergreifender Kunstmesse von internationalem Format und zum Flaggschiff des deutschen Kunsthandels..
Highlights der HIGHLIGHTS_2022Herunterladen
Categories: Uncategorized | Comments 5405 Pressemitteilung September 2022 Parade der Meisterwerke
Die HIGHLIGHTS setzt den Erfolgskurs mit ihrer 13. Ausgabe überzeugend fort. Hochkarätige Kunstwerke von der Gotik bis zur Gegenwart machen die Münchner Verkaufsschau wieder zu Deutschlands aufregendster epochenübergreifender Kunstmesse von internationalem Format und zum Flaggschiff des deutschen Kunsthandels..
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Categories: Uncategorized | Comments 5628 Short List einer Insiderin Petra Winter

Short List einer Insiderin

Petra Winter

 Chefredakteurin MADAME & MONSIEUR

Begeisterung ist der kürzeste Weg zur Kunst. Bei Petra Winter haben wir sie sofort gespürt. Die Chefredakteurin des großartigen Kultur- und Lifestylemagazins MADAME war sofort elektrisiert, als sie einen Blick warf auf die Fotos der Exponate, die unsere Aussteller auf der HIGHLIGHTS vom 20. bis 23. Oktober 2022 und an den vorherigen Preview-Tagen präsentieren.  Elfenbeinpokale neben informeller Kunst, Louis Seize-Möbel neben expressionistischen Papierarbeiten – da ist selbst eine professionelle Insiderin der Szene hin- und hergerissen zwischen Barock und Bauhaus oder zwischen Altmeistern und Abstraktion. Sechs Exponate hat sie auf ihre persönliche HIGHLIGHTS-short list gesetzt, um sie im Oktober auf der Messe auf keinen Fall zu verpassen:

„Wie es ist, wenn die Ernte eingefahren wird, wenn wie hier auf dem Bild „dampfgedroschen“ wird, war dem Bauernsohn und Expressionisten Emil Nolde wohlbekannt. Mir gefallen die für ihn typischen Primär-Farben, in der er die Alltagsszene in ein leuchtendes Licht rückt.“

Emil Nolde, Dampfdreschen, Öl auf Leinwand, 1911
Galerie Utermann

„Man denkt beim Anblick der Bulgari-Ohrringe unweigerlich an die expressiven Sixties und Seventies, an Marella Agnelli im Pucci-Kleid, ein Martiniglas in der Hand. Was für ein Style, was für eine schöne Nostalgie!“

Bulgari, Kreolen-Ohrclips, Türkise, Gold, ca. 1970 
VKD Jewels

„Ich durfte die Künstlerin Rotraut Uecker vor ein paar Jahren selbst kennenlernen. Eine elegante und feinsinnige Dame, die mit Entschiedenheit ihren Weg gegangen ist und kompromisslos ihre Kunst gemacht hat. Auch wenn man die blaue Note als einen Wink an ihren verstorbenen Ehemann Yves Klein verstehen kann.“

Rotraut, Music Note, bemaltes Aluminium, 2021, ed. 3/3.
Galerie Stefan Vogdt

„Sarah Moon ist ein Kriegskind, sie arbeitete danach als Mannequin, entschied sich für die Welt der Schönheit. Auch ihre Fotografien zeigen unscharfe Formen von Schönheit. Vielleicht eine Folge der Schrecken von Flucht und Vertreibung und der Sehnsucht nach einem zauberischen Ort?“

Sarah Moon, Les Roses,  carbon print, 1998
Galerie Commete

„Tomaten, Gurken, Zucchini – ich finde es ganz wunderbar, wie es dem Brücke-Künstler Karl Schmidt-Rottluff gelungen ist, die einfachen Genüsse auf eine ebenso einfache Art zu malen. Sujet und Technik harmonieren auf das Schönste.“

Karl Schmidt-Rottluff, Stillleben, Aquarell, 1938
Thole Rotermund Kunsthandel 

„Was ich in dem Bild von Georg Karl Pfahler sehe? Einen Mund, den man mundtot machen möchte. Ob sich darin sein Schicksal als „Zufallskünstler“ spiegelt, der es anfangs schwer hatte und dann doch auf die Biennale in Venedig schaffte?“

Georg Karl Pfahler, O. T. , Gouache, 1962
Kunsthandel Sina Stockebrand

Categories: Uncategorized | Comments 5785 Ask the Expert Donner & Reuschel
Julian Rautenberg

ASK THE EXPERT

Julian Rautenberg

Leiter Private Banking

Herr Rautenberg, gehört Kunst heute zu den Selbstverständlichkeiten eines Vermögens-Portfolios?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Eine breite Streuung des Vermögens über verschiedene Anlageklassen ist ein wesentlicher Grundsatz einer vernünftigen Anlagestrategie. Hierzu gehören neben Aktien, Immobilien, Anleihen, auch weitere Anlageklassen, wie Private Equity, Edelmetalle, Sachwerte wie Oldtimer oder auch Kunst. Für alle Anlageklassen gilt, dass sich ein Anleger mit den Investments wohl fühlen muss und sich über die Chancen und Risiken im Klaren sein sollte. Der Kunstmarkt ist zudem ein besonderer Markt, bei dem auch Emotionen eine besondere Rolle spielen. Wer Kunst als Investment kauft, sollte daher über sehr tiefe Marktkenntnisse verfügen bzw. sich beraten lassen und nach einer klaren Investmentstrategie handeln. Meistens spielt jedoch auch der persönliche Geschmack und weitere emotionale Aspekte beim Kunstkauf eine große Rolle. Wenn es sich beim Kaufmotiv also nicht um eine rein rationale Investmententscheidung handelt, sollte man die Ausgaben auch eher als emotionales oder kulturelles Investment für sich sehen und bei der Betrachtung der Werke nicht täglich über deren Wert nachdenken. Kunst ist insofern mehr und anders als jedes andere Investment.

Kann man den Kunstmarkt mit der Börse vergleichen? Wir sprechen ja im Falle von Picasso oder Warhol auch von Blue-Chip-Kunstwerken. 

Es gibt einige Parallelen zwischen dem Kunstmarkt und der Börse, vor allem hinsichtlich der Psychologie der Marktteilnehmer, die teilweise extreme Schwankungen nach oben und nach unten mitverursachen. Picassos oder Warhols sind unter Risikoaspekten sicher am ehesten mit Blue-Chip-Aktien wie Apple oder Google vergleichbar – bereits sehr teuer, jedoch dafür auch weniger risikoreich. Wer höhere Gewinne sucht, muss den Markt tiefer analysieren, Trends erkennen und risikobereiter sein. Das gilt für die Börse genauso wie für den Kunstmarkt – mit zwei wesentlichen Unterschieden: der Kunstmarkt ist viel intransparenter als der Kapitalmarkt und die Transaktionskosten sind deutlich höher. Anleger müssen sich also gut auskennen oder sich professionell beraten lassen.

Was reizt Sie als Banker an Kunst?

Als Banker haben wir das Gesamtvermögen unserer Kunden im Blick und empfehlen grundsätzlich, keinen zu großen Anteil des Portfolios in einzelne Anlagen (sei es ein Kunstwerk, eine Aktie oder eine Immobilie) zu investieren. Eine konkrete Empfehlung zum Kauf von Kunst geben wir nicht ab, das sollten Kunst-Profis übernehmen. Für mich persönlich ist Kunst vor allem Vergnügen und Inspiration. Wenn ein Kunstkauf zudem einhergeht mit einer positiven Wertentwicklung, stellt es ein sehr reizvolles Investment dar.

Was war Ihr letztes Kunstwerk, das Sie gekauft haben?

Ich freue mich besonders über das letzte Kunstwerk, das wir für unsere Bank erwerben durften. Es handelt sich um eine Original-Lithographie von Thomas Theodor Heine, eine Titelseite der bekannten satirischen Wochenzeitschrift Simplicissimus. In den 1920er Jahren befanden sich die Redaktionsbüros des Simplicissimus-Verlags in den heutigen Räumlichkeiten von DONNER & REUSCHEL in der Friedrichstraße 18 in Schwabing. Wir freuen uns täglich beim Betreten des Foyers in der 1. Etage, an die bewegte Geschichte unseres Münchner Stammsitzes und an die Verbindung zum Simplicissimus zu erinnern.

Wenn sie eine Carte Blanche auf der HIGHLIGHTS hätten, was könnte Sie reizen?

Das Feld von Günther Uecker würde mich reizen. Ich finde es faszinierend, welche Dynamik und Tiefe das Werk ausstrahlt – obwohl es aus simplen, statischen Nägeln gefertigt ist.

Categories: Uncategorized | Comments 5590 Ask the Expert 1st Asset Assekuranz Reiner Müller

ASK THE EXPERT

Reiner Müller

Gesellschafter Geschäftsführer

Als Versicherungsmakler sind Sie spezialisiert auf Burgen und Schlösser, aber auch auf hochkarätige Kunstsammlungen. Was ist daran anders als bei Autos?

Eine Versicherung für ein Auto „bearbeitet“ heute oft nur mehr der Computer. Für Schlösser, Burgen oder Kunstsammlungen helfen solch standardisierte Versicherungswege nicht. Es geht um Objekte, die über den reinen Kunstaspekt hinaus oftmals auch kulturhistorisch oder kunstgeschichtlich von besonderer Bedeutung sind. Diesen Anforderungen wollen wir sehr spezialisiert und mit besonderem Know-how all unsere Aufmerksamkeit schenken und das von Mensch zu Mensch. Wobei ein besonderer Oldtimer auch in der Kfz-Versicherung kein „Standard“ ist.

Ist Deutschland ein Land der Sammler?

Viele Familien, die wir über so lange Zeit hinweg beraten dürfen, zählten vor 200 Jahren und mehr zu den ersten Sammlern. Sie haben das Sammeln und die Auseinandersetzung mit der Kunst bei uns etabliert. Schön, dass sich das fortsetzt – ja, Deutschland ist ein Land der Sammler und der Sammlungen.

Was sammelt der Deutsche noch außer moderne Kunst?

Nicht nur Burg- und Schlossbesitzer, sondern sehr viele Menschen versuchen zum einen Ihre bestehenden Sammlungen sinnvoll zu ergänzen, zum anderen sich ihrem Lebensstil entsprechend einzurichten. Das kann von der Antike bis eben ins 21. Jh. reichen. Schon die Kinder und Jugendlichen fangen an zu sammeln – Spielzeug, Comics und vieles mehr. Die ersten Supermannhefte sind heute hoch begehrt – wenn Mama sie nicht „aufgeräumt“ hat. Alles kommt bei unseren Kunden vor.

Was hat sie zur Kunst gebracht?

Durch meine Familie hatte ich immer eine Affinität zur Kunst – in den Bereich Versicherung bin ich da aber ganz offen gesagt sehr zufällig hineingerutscht.

Wenn sie Carte Blanche auf der HIGHLIGHTS hätten, was könnte Sie reizen?

Die Carte Blanche würde ich für das abstrakte Gemälde von Arnulf Rainer nutzen. Die Kraft und Intensität des Bildes sind unglaublich – verbunden mit der Formgebung eine ganz eigene Aussage.

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