In unserem Messebüro gibt es derzeit jeden Morgen die gleiche Frage: Was gibt es Neues? Gemeint sind die Exponate unserer Aussteller, die während der Preview-Tage und der Munich HIGHLIGHTS, die vom 15. bis 18. Oktober für alle Kunstfreunde die Türen weit öffnet, in der Residenz angeboten werden. Die gleiche Frage stellte uns unlängst auch Silvie Aigner, die Chefredakteurin der inhaltsreichen und spannenden österreichischen Kunstzeitschrift PARNASS. Sie ist eine ausgewiesene Kennerin der internationalen Szene und Autorin vieler Texte über Kunst. Als Wienerin ist ihr gleich das Gemälde von Arik Brauer ins Auge gefallen, als Kritikerin mit feministischer Perspektive staunt sie immer wieder, dass die Computerkunst-Pionierin Vera Molnár jahrzehntelang auf dem Kunstmarkt nicht präsent war. Lassen Sie sich von ihrem Insider-Pick animieren und inspirieren!
Die frühe Collage aus dem Jahr 1969 aus dem Angebot des Kunsthandels Sina Stockebrand zeigt, wie Vera Molnár mit einfachen geometrischen Formen, serieller Ordnung und minimalen Störungen arbeitete. Der große rote Kreis dominiert das Bildfeld, dahinter liegen konzentrisch angeordnete, rechteckige Rahmen in abgestuften Violetttönen. Die Transparenz des roten Kreises lässt ihn vor dem Hintergrund nahezu vibrieren und erzeugt die, für ihre Bildkonzeptionen so prägnante optische Spannung.1
Märchenhafte Fantastik verbunden mit tiefgründiger Zivilisationskritik prägt die Kunst des Weltenbummlers und Geschichtensammlers Arik Brauer. Anfang der 1960er-Jahre lebte Brauer in Paris, wo auch das kleine Gemälde „Der letzte Floh“ entstand, das auf der HIGHLIGHTS die Galerie bei der Albertina · Zetter anbietet. Die gekonnt eingesetzte Lasurtechnik verleiht dem Bild eine leuchtende Farbigkeit. Einmal mehr staunt man über Brauers große Erzählkunst, über seine detailreichen Traumwelten voller fantastischer Mischwesen.2
Sinnliche Schönheit trifft auf Melancholie – Carina Linges Stillleben wird zum Träger von Erinnerungen, Gefühlen und bedeutungsvoller Symbolik. Nahezu surreal mutet das Setting an, das auch auf zahlreiche kunsthistorische Referenzen verweist. Alltagsgegenstände und Artefakte vereint sie zu einer inszenierten Collage, die auf die Anwesenheit von Menschen verweist, auch wenn sie nicht im Bild zu sehen sind. Ihre poetische Komposition mit Forellen, die von der Galerie Jarmuschek + Partner offeriert wird, ist scheinbar der Zeit entrückt und bewahrt stets noch ein Geheimnis.3
Dynamisch, bewegt und voller Energie wirkt die Papierarbeit des US-amerikanischen Künstlers Sam Francis, die die Galerie Koch in München präsentiert. Die Farbe scheint ihren eigenen Raum zu suchen, breitet sich aus, verdichtet sich, löst sich wieder auf – als würde sie zwischen Bewegung und Stille schweben. Rot, Blau, Grün und Orange begegnen einander wie Lichtreflexe und streben über den Bildrand hinaus. Eine besondere Spannung wird in diesem Blatt manifest. Eine Kunst, die zugleich leicht und intensiv und voller Leuchtkraft ist.4
HERR MÜLLER, WENN EIN UMZUG BEVORSTEHT UND AUCH EINE RESPEKTABLE KUNST-SAMMLUNG DAZUGEHÖRT — MÜSSEN DIE KUNSTWERKE DAFÜR EXTRA VERSICHERT WERDEN ODER BEINHALTET EINE KUNSTVERSICHERUNG BEREITS DEN RUNDUMSCHUTZ?
Nicht nur beim Transport, bereits beim Verpacken und Verladen können Beschädigungen entstehen. Deshalb sollten Sammler den Versicherungsschutz vor dem Umzug prüfen. Eine spezialisierte Kunstversicherung bietet in der Regel einen Allgefahrenschutz und schließt Transporte häufig mit ein.
Kommt es dennoch zu einem Schaden, stellt sich die Haftungsfrage. Hat das Umzugsunternehmen den Schaden verursacht, haftet es grundsätzlich nach den gesetzlichen oder vertraglichen Bestimmungen. Allerdings entspricht die Haftungshöhe gerade bei hochwertigen Kunstwerken oft nicht ansatzweise dem tatsächlichen Wert. Eine Kunstversicherung kann diese Lücke schließen. Zudem prüft der Versicherer eventuelle Regressansprüche gegenüber dem Transporteur.
Bei besonders wertvollen oder empfindlichen Kunstwerken sollte ausschließlich ein spezialisierter Kunstspediteur beauftragt werden.
Unser Tipp: Informieren Sie Ihren Versicherungsexperten frühzeitig über den geplanten Umzug und stimmen Sie Transport, Verpackung und Versicherungsschutz aufeinander ab. .5
Reiner Müller, Geschäftsführer der 1st Asset Assekuranz
HOTEL-EMPFEHLUNG: DAS PLATZL – INSEL FÜR LEIB UND SEELE
Es gibt sie noch – die persönlichen, dezent und stilvoll ausgestatteten Hotels im Herzen von München. Das Platzl ist nur ein paar Minuten entfernt von der Residenz, wo die HIGHLIGHTS zum 17. Mal stattfindet und vom Viktualienmarkt; es verbindet Herzlichkeit mit regionaler Identität. Die Philosophie des Hauses, das in dritter Generation als Familienbetrieb geführt wird, überzeugt: moderne Wohlfühl-Atmosphäre der gehobenen Art, perfekter Service, Passion für ambitionierte Kulinarik. Im Restaurant Pfistermühle kommen bayerische Genussmomente auf den Tisch.6
KULTUR-TIPP: KÜNSTLER DER HIGHLIGHTS-GALERISTEN IN AKTUELLEN MUSEUMS-AUSSTELLUNGEN
Max Liebermann schuf über die Jahre mehr als hundert Pastelle. Noch bis zum 21. September zeigt die Liebermann-Villa in Berlin in ihrer Sommerschau diese Seite im Schaffen des bedeutenden Impressionisten. Die Galerie LUDORFF bereichert die Ausstellung „Im Fokus. Liebermanns Pastelle. Eine Welt in Kreide“ mit einigen Blättern aus ihrem Galeriebestand.7
Ludwig Passini, Anton von Werner und Adolf Hirémy-Hirschl schufen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Italien-Motive. Die Ausstellung „Sehnsucht nach dem Süden“ im Museo Castello San Materno in Ascona vereint noch bis 23. August 40 Werke von mehr als einem Dutzend Künstler, die zu einer Privatsammlung gehören, die mit Unterstützung von Kunkel Fine Art aufgebaut wurde. Werke dieser Künstler zählen auch im Herbst zum Angebot unseres HIGHLIGHTS-Ausstellers.8
Albin Egger-Lienz steht für die Alpenmoderne. Derzeit widmet das Museum Schloss Bruck in Lienz dem Tiroler Maler eine große Retrospektive, in die der Kunsthandel Freller vier Gemälde, darunter Versionen der Gemälde „Mittagessen“ und „Mahlzeit“ als Leihgabe einbrachte. Zu den HIGHLIGHTS sind die Gemälde am Stand des Linzer Händlers präsent.9
Eberhard Havekost gehörte schon früh zum Künstler-Stamm der Galerie Gebr. Lehmann. Dem früh verstorbenen Maler und Grafiker, dessen Werk sich durch außergewöhnliche Wirklichkeitsausschnitte auszeichnet und dessen Nachlass die Dresdner Galerie betreut, widmet das Museum Kurhaus Kleve bis 18. Oktober die Ausstellung „Eberhard Havekost. Benutzeroberflächen“ mit Arbeiten von 1994 bis 2019. Eine Auswahl an Havekost-Werken ist auch in München zu sehen.10
HIGHLIGHTS-SPECIAL: MY FAVORITE
Lukas Minssen von der Galerie Utermann über Chagalls unverwechselbare Bildsprache:
„Chagall nimmt für uns in der Kunst der Moderne, aber auch in unserer Galerie eine besondere Rolle ein. Er fasziniert mich als einer der wenigen Künstler, die sich keiner Bewegung vollständig zuordnen lassen. Das Nicht-Rationale seiner scheinbar schwebenden Phantasiewelten macht seine Bilder bis heute so lebendig. Er verknüpft Erinnerung und Traum, jüdische Kultur, Symbolik, Liebe und Poesie auf eine Weise, die Melancholie und Glück zugleich anklingen lässt. Chagall wird in allen Kulturen verstanden, denn er verwandelt persönliche Erfahrung in eine universelle Bildsprache. „Mariage au grand bouquet“ von 1979 ist dafür ein wunderbares Beispiel.“11
Vera Molnár, Cercle rouge, 1969, Collage, 27,5 x 27,5 cm. Courtesy Kunsthandel Sina Stockebrand↩︎
Arik Brauer, Der letzte Floh, 1962, Öl auf Holz, 15,7 x 38 cm. Courtesy Galerie bei der Albertina · Zetter↩︎
Carina Linge, Stillleben mit Forellen, 2025, C-Print auf Dibond, 70 x 52 cm, 6 + 2AP gerahmt. Courtesy Jarmuschek + Partner↩︎
Sam Francis, SF 73 – 299, 1973, Acryl und Gouache auf Papier, 54,9 x 44,5 cm. Courtesy Galerie Koch↩︎
Ohrclips-Paar, Trabucci, Mailand, ca. 1970, 18 k Gelbgold, Amethyst, Peridot, Aquamarine und Citrine. Courtesy The Old Treasury↩︎
Die Maisonette Suite im Platzl mit Blick über die Dächer der Münchner Innenstadt. Copyright: Platzl Hotel↩︎
Eberhard Havekost, Mario Kart 7, 2012, Öl auf Leinwand, 45 x 80 cm. Foto: Werner Lieberknecht. CourtesyHavekost Estate + Galerie Gebr. Lehmann↩︎
Marc Chagall, Mariage au grand bouquet, circa 1979, Tusche, Gouache, Pastell und Bleistift auf Velin, 69,2 x 50,3 cm, Signatur und Nachlass-Stempel. Courtesy Galerie Utermann ↩︎
Die diesjährige Ausstellerliste mit renommierten Kunsthändlern wie Beck & Eggeling International Fine Art, Wienerroither & Kohlbacher oder Helga Matzke European Silver steht seit einigen Wochen fest. Und bei uns im Messebüro beginnt das große Planen. Welcher Galerist präsentiert sich wem gegenüber, aber vor allem: mit welchen Meisterwerken, welchen Neu- und Wiederentdeckungen von der Renaissance bis zur Gegenwart werden uns die mehr als 50 Händler aus Deutschland und Europa in der Residenz begeistern? Zwischen Alten Meistern und Jungen Wilden, zwischen Vintage-Schmuck und bibliophilen Raritäten wie bei unserem neuen Teilnehmer Antiquariat August Laube aus Zürich sehen wir für die 17. Ausgabe der HIGHLIGHTS, die nach zwei Preview-Tagen vom 15. bis 18. Oktober 2026 stattfindet, einen starken Trend zur Klassischen Moderne: Werke von Chagall, Alexej von Jawlensky, Alfons Walde und Egon Schiele sind angekündigt. Unser „First Look“ kann nur der berühmte Appetithappen für das hochkarätige Kunstangebot der HIGHLIGHTS sein.
Mit der großen Retrospektive im Guggenheim-Museum New York im vergangenen Jahr ist die Expressionismus-Pionierin Münter endgültig in der internationalen Szene angekommen. Im Jahre 1908, als die Landschaft entstand, ließ die Malerin alles Impressionistische hinter sich und entwickelte ihren flächigen Malstil. „Vom Griesbräukeller“ aus dem Angebot von Ludorff wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen.1
Fein, schnörkellos, elegant und antikisierend. Um 1800 entwickelte sich in Schweden mit dem Gustavianischen Stil eine eigenständige Ausprägung des Klassizismus, die französische Vorbilder aufnahm und ins Skandinavische übersetzte. Die vergoldete Konsole, die Hoffmans Antiques anbietet ist dem Bildhauer Pehr Ljung zugeschrieben und zeigt die Eleganz schwedischer Möbelkunst um 1800.2
Franz von Stuck ist eine der prägenden Künstlerpersönlichkeiten um 1900. Berühmt für symbolistische Sujets, aber auch für seine Porträtkunst. Zu seinen Lieblings-Modellen gehörte Tochter Mary. Stuck inszenierte sie in diversen Rollen: als spanische Infantin, als Jugendstil-Blumenkind und – wie von Kunkel Fine Art angeboten – als Mädchen in Münchner Tracht. Ohne Hintergrund konzentriert Stuck den Blick ganz auf das Gesicht der etwa 16-Jährigen, das über das Familiäre hinaus vom Reiz der Jugend erzählt.3
Der japanische Metallkünstler Takahiro Iede bewegt sich zwischen Tradition und Innovation. Der heute 64jährige reaktivierte für seine Arbeiten eine Jahrhunderte alte Metalltechnik Ayaori-gane, bei dem verschieden Metalldrähte verwebt werden. Seine Formen und Dekore aber ruhen ganz in der Moderne. Für das auf Silber aus fünf Jahrhunderten spezialisierte Kunsthaus Kende gehört er zu jenen zeitgenössischen Metallkünstlern, die altes nicht negieren und zugleich Schönheit neu definieren.4
Albin Egger-Lienz, einer der Großen der österreichischen Moderne, berührt in seinem Werk die tiefen Fragen des Daseins. Vorwiegend in Darstellungen des bäuerlichen Milieus thematisiert der Tiroler Maler Tod, Krieg und das im Abendland symbolisch konnotierte „tägliche Brot“. So auch im Gemälde „Mittagessen“ von 1920 aus dem Angebot von Kunsthandel Freller. Egger-Lienz Werke sind in so bedeutenden Sammlungen wie dem Leopold Museum und der Albertina in Wien vertreten.5
// EXPERTEN-TIPP: DIE MAGIE DER EDELSTEINE
FRAU SCHMITZ, ALS INHABERIN VON “THE OLD TREASURY” BEREICHERN SIE DAS SCHMUCKANGEBOT DER MUNICH HIGHLIGHTS. SIE SIND AUCH GEMMOLOGIN.
WELCHE ROLLE SPIELEN STEINE FÜR DEN WERT VON SCHMUCKSTÜCKEN?
Es gibt Stücke, da sind winzige Steine einzeln als kleine Akzente gesetzt, da fallen sie nicht so ins Gewicht. Aber wenn viele nebeneinander gesetzte Steine wie etwa bei einer stilisierten Blume die Kreation bestimmten, besitzen sie preisliche Relevanz. Dann gibt es Ringe, Anhänger etc, die von einem einzigen großen Stein dominiert werden und Solitäre, die fast den gesamten Wert ausmachen. Da geht es um Reinheit, Schliff, Farbe, Größe. Extrembeispiel: Der „Eternal Pink“, ein rosa Diamant von über 10 Karat, wurde für über 35 Millionen Dollar versteigert. Auch große Rubine sind selten, Smaragde aus Kolumbien oder Saphire aus Kashmir sind etwas Besonderes. Begehrlichkeit kann entstehen, wenn die Minen nichts mehr hergeben. Das ist, als wäre ein Künstler-Oeuvre abgeschlossen.
Wenn es um bleibende Werte geht, sind synthetische Edelsteine weniger interessant. Das ist ein Industrieprodukt und nicht in tausenden von Jahren unter der Erde entstanden. Was man tun kann, wenn ein Stein beschädigt wird? Ersetzen oder Schleifen, aber dann verändert sich das ganze Stück, da ja auch die Fassung angepasst werden muss. Ein seriöser Händler wird immer einen Rat wissen.6
Laura Schmitz, Vintageschmuck-Expertin und Gemmologin
KULTUR-TIPP: SARACENOS ZUKUNFTSWELTEN
„Wenn das Lama von den Sternen trinkt und die Spinne Lebenszyklen webt… und die Zeit sich ausdehnt wie Salz.“ So beschreibt der Installationskünstler Tomás Saraceno den konzeptuellen roten Faden seiner Ausstellung „Verwobenen Welten“ im Haus der Kunst in München. In den oft begehbaren Werken denkt der in Berlin lebende Argentinier neue ökosoziale Modelle der Koexistenz von Menschen und anderen Lebenswesen phantasievoll voraus. Sein jüngstes Projekt ist in Zusammenarbeit mit dem Red-Atacana Netzwerk entstanden. Das Wassersystem der indigenen Gruppe im Norden Argentiniens ist durch Lithium-Abbau gefährdet. Öko-Belehrung? Nicht mit Saracenos phantastischen Zukunftsvisionen.7
Tomás Saraceno in collaboration. Verwobene Welten, Haus der Kunst München
Gabriele Münter, Vom Griesbräukeller, 1908, sign. und dat, Öl auf Malkarton, 33 x 41 cm. Courtesy Ludorff↩︎
Klassizistischer Konsoltisch, Pehr Ljung zugeschrieben, Stockholm um 1790, Holz, geschnitzt, Carrara-Marmor. Courtesy Hoffmans Antiques↩︎
Franz von Stuck, Mary in Münchner Tracht, um 1912, Öl über Bleistift auf oktogonalem Malkarton, 35 x 35 cm, in originalem Franz-von-Stuck-Rahmen. Courtesy Kunkel Fine Art↩︎
Schon seit langem gehört Martin Hoernes zu den HIGHLIGHTS-Ehrengästen. Der promovierte Kunsthistoriker ist seit 13 Jahren Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung – kurz EvSK. Schon von Berufs wegen kennt er die besondere Beziehung zwischen Kunsthandel und Museen sehr genau.
Kunstbegeistert und engagiert: Dr. Martin Hoernes. Courtesy Bayerische Staatsgemäldesammlungen/Foto:HaydarKoyupinar
HERR DR. HOERNES, 2026 WURDE ERSTMALS DER “ERNST VON SIEMENS PREIS FÜR KUNST UND HANDEL” VERLIEHEN. WOLLEN SIE DEN KULTURSTATUS DES KUNSTHANDELS STEIGERN?
Ausgezeichnet werden Händler, die tief in die Geschichte eines Werks eintauchen und dieses Wissen mit Museen teilen und zugleich mäzenatisch agieren in dem Bewusstsein, dieses Kunstwerk gehört unbedingt in dieses Museum. Hinter dem Preis steckt die Idee, dass es ohneeinander nicht geht. Die 100 000 Euro werden für eine gelungene Kooperation zwischen Handel und Museen verliehen und gehen ausschließlich an das Museum.
Mit Unterstützung der EvSK erwarb das Bayerische Nationalmuseum München den silbernen Augsburger Gläserkühler von 1701 von Munich HIGHLIGHTS-Aussteller Helga Matzke European Silver. Courtesy Ernst von Siemens Kulturstiftung
DIE ZAHL DER ANTRÄGE AUF FÖRDERUNG STEIGT. SIND SIE IN ZEITEN KNAPPER KASSE DIE RETTER RENOMMIERTER MUSEEN?
Für das Funktionieren ihrer Museen ist die öffentliche Hand selbst verantwortlich. Wir unterstützen die Wissenschaftler bei Ankäufen, Forschung, Restaurierung, wenn wir darum gebeten werden. Großzügig, schnell, unbürokratisch, wie das im Kunstmarkt oft erforderlich ist. 2025 haben wir 18 Erwerbungen mitfinanziert, z. B. von Hans Baldung Griens spätgotische Tafel „Maria als Himmelskönigin“ für die Alte Pinakothek München bis zu einer Videoarbeit von Nam June Paik von 1980 für das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe.
DIE ZAHL DER ANTRÄGE AUF FÖRDERUNG STEIGT. SIND SIE IN ZEITEN KNAPPER KASSE DIE RETTER RENOMMIERTER MUSEEN?
Mehr als drei Megaprojekte jährlich, bei denen wir insgesamt bis zu 10 Millionen Euro zusteuern, gehen nicht. Die Tafel von Baldung Grien etwa wurde gemeinsam mit der Pesl Stiftung und dem Pinakotheks-Verein finanziert.
WAS IST FÖRDERUNGSWÜRDIG?
Wir wollen Museen zu Glanzlichtern verhelfen und keine Depotstücke finanzieren. Es geht um bedeutende, historische Kunstwerke. Das kann auch moderne Kunst sein, aber keine Werke von lebenden Künstlern und Künstlerinnen.1
DIE ZAHL DER ANTRÄGE AUF FÖRDERUNG STEIGT. SIND SIE IN ZEITEN KNAPPER KASSE DIE RETTER RENOMMIERTER MUSEEN?
Die wunderbaren Objekte, die Händler, die Museumskuratoren – das reizt mich jedes Jahr. Die HIGHLIGHTS ist nicht nur eine Verkaufsmesse, sie ist zugleich ein großes Treffen der Kunstszene inklusive Sammlern. In der Regel fahre ich mit 2 bis 3 neuen Anträgen nach Hause.
HIGHLIGHTS-GET TOGETHER MIT HDI ART&LIFESTYLE UND WELTKUNST
Die Gastgeber Munich HIGHLIGHTS, HDI art&lifestyle und WELTKUNST begrüßen im Bucerius Kunstforum die Gäste des Abends. Foto: Maximilian Probst
Es tut gut, Freunde und Partner zu treffen. Auch schon vor dem Messestart im Oktober. Deswegen luden Munich HIGHLIGHTS, unser Sponsor HDI, der mit seiner Kunstversicherung art&lifestyle Kunstliebhabern ein Rundum-Sorglos-Paket anbietet, und unser Medienpartner WELTKUNST zahlreiche Sammler, Kunsthändler und Museumskuratoren in das Bucerius Kunstforum in Hamburg ein. Auch WELTKUNST-Chefredakteurin Lisa Zeitz aus Berlin wollte auf keinen Fall den Rundgang durch die Ausstellung „F.C. Gundlach. You´ll never watch alone“ in der Kunsthalle des ehemaligen Zeit-Herausgebers verpassen. Für die Kunst ist der HIGHLIGHTS-Community nun mal kein Weg zu weit.2
KULTUR-TIPP // SEHNSUCHT NACH DEM SÜDEN
Anton von Werner, Blick über die Halbinsel von Sorrent, 1869, Bleistift und Tusche auf Papier, 23,5 x 36,3 cm. Courtesy Kunkel Fine Art
Über Jahrhunderte war Italien für Künstler aus dem Norden das Land, wo das Licht wärmer, aber die Schatten umso härter sind. Wo die Natur einen Zauber verbreitet, der zu neuen Bildideen inspiriert, und wo die morbiden Fassaden Venedigs den bitter-süßen Geschmack von Melancholie hinterlassen. Wie schon Generationen zuvor zog „Die Sehnsucht nach dem Süden“ – so der Titel einer charmanten Ausstellung, die die Stiftung Kurt und Barbara Alten im Museo Castello San Materno im schweizerischen Ascona realisierte – Künstler auch nach 1850 nach Capri, in die Ewige Stadt Rom oder nach Tivoli. Wie etwa Oswald Achenbach, Ludwig Passini oder Sigmund Lipinsky und Anton von Werner. Die rund 40 gezeigten Werke stammen aus einer deutschen Privatsammlung, die größtenteils mit Unterstützung von Kunkel Fine Art aufgebaut wurde. Bilder, die man noch nicht hundert Mal gesehen hat!
AUßERDEM // BLICK IN DAS GALERIEGESCHEHEN UNSERER AUSSTELLER
GALERIE ANDREAS BINDER reflektiert mit einer Gruppenausstellung ihr 35-jähriges Bestehen. Die Jubiläumsshow zeigt Werke von langjährigen und jüngeren Wegbegleitern wie Stefan Hunstein, Jan Davidoff, Tina Berning und Ariamna Contino sowie Philipp Lachenmann.
CHRISTIAN EDUARD FRANKE KUNSTHANDEL und vier weitere Kunst-händler aus der UNESCO Welterbestadt haben während der Bamberger Anti-quitätenwochen, die ab Ende Juli parallel zu den nahe gelegenen Bayreuther Festspielen stattfinden, ihre Türen wieder weit geöffnet. Im Mittelpunkt von Christian Eduard Landwers Präsentation stehen hochkarätige Objekte wie ein ovales, frühklassizistisches Tischchen aus der legendären Manufaktur David Roentgens sowie eine Marmorbüste des Herzogs von Reichstadt, des einzigen Sohnes Napoleon Bonapartes.
GALERIE UTERMANN in Dortmund zeigt unter dem Titel „Collection Highlights“ das Beste aus den Beständen. Im Fokus der mehr als 150 Jahre existierenden Galerie stehen heute Werke der klassischen Moderne und der Nachkriegskunst. In der aktuellen Ausstellung: unter anderem Werke von Alexej von Jawlensky, Lyonel Feininger, Serge Poliakoff und Norbert Tadeusz sowie Karl Hartung.
Romantik trifft Moderne – Werke von Johann Jakob Frey und Franz Barwig am Stand von Gierhards Antiques & Fine Art. Foto: Matin Jameie ↩︎
Abbildung 5 und 6: Kunsthändler Thomas le Claire (Foto li.) und Chefredakteurin Lisa Zeitz (Foto re.) in der Ausstellung “F.C. Gundlach. You’ll never watch alone” im Bucerius Kunstforum. Foto: Maximilian Probst ↩︎
Philipp Lachenmann, Eclipse (Evolution), polierter Edelstahl, programmierbares Lichtsystem, D: 150 cm. Courtesy the artist und Galerie Andreas Binder ↩︎
David Roentgen, Arbeits- und Beistelltisch, Neuwied, um 1785/90, Mahagoni, Messingbeschläge, 76 x 72 x 50 cm. Courtesy Christian Eduard Franke Kunsthandel Foto: Michael Aust ↩︎
Karl Hartung, Sitzende Figur, ca. 1937/38, Bronze, 34 x 28 x 14 cm. Courtesy Galerie Utermann ↩︎
Für Sammler und Kunstbegeisterte sind die großen Events die modernen Wallfahrtsorte geworden. Man erwartet tiefen Sinn und innere Erleuchtung, wenn auch nicht im religiösen Sinne. Deswegen werden die politischen Spannungen der 61. Biennale in Venedig wohl keinen von seiner Reise in die Lagunenstadt abhalten. Die Kunst muss ein weitgefasstes Netz politischer und individueller Menschlichkeit sein, heißt die Botschaft der 2025 plötzlich verstorbenen Kuratorin Koyo Kouoh. Dafür steht diesmal Venedig, wo man in vielen Tonarten und Lautstärken dem Sound des aktuellen Diskurses lauschen kann.
Den Zauber des Unsichtbaren entdecken – Werke des Hamburger Fotografen Gregor Törzs auf der HIGHLIGHTS 2026 am Stand von Galerie Commeter. Foto: Jens Bruchhaus
In der näher rückenden Art Basel sieht es schon wieder anders aus. Da spricht der Kunst-Markt und die Sammler dürfen wieder ganz Sammler sein. Was sie im innersten antreibt, hat der Schriftsteller und Keramiker Edmund de Waal einmal treffend formuliert: „Sammeln ist ein Akt der Selbstdefinition. Es bedeutet, etwas in der Welt zu finden, es auszuwählen… Es in das eigenen Energiefeld zu holen und in den eigenen Raum zu bringen.“
Eine Kunstsammlung ist demnach das geistige Röntgenbild ihres Besitzer. Psychologen sprechen davon, dass das Sammeln eine Form von Selbstdarstellung sei, oder ein Weg, dem Chaos der Welt eine eigene Ordnung entgegenzusetzen.
Das weitgefächerte Spektrum des Sammelns begegnet uns auch stets aufs Neue auf der Munich HIGHLIGHTS, die vom 15. bis 18. Oktober zum 17. Mal stattfindet. Der eine fühlt sich zu den deutschen Expressionisten hingezogen, der andere ist von barockem Silber fasziniert. Andere halten es vielleicht mit dem Sammler François Pinault. Er verspüre beim Sammeln keine nostalgischen Gefühle, es sei das Morgen, was ihn interessiere. Was immer Sie motiviert zu sammeln, wir hoffen, dass Goethe auch im 21. Jahrhundert recht behält. Er meinte nämlich: „Sammler sind glückliche Menschen.“1
HERR ERNST, VOR ZWEI JAHREN HABEN SIE DAS MUSEUM REINHARD ERNST IN WIESBADEN ERÖFFNET, DAS IHRE INTERNATIONAL BEDEUTSAME KOLLEKTION INFORMELLER UND ABSTRAKTER KUNST BEHERBERGT.
WIE BAUT MAN SO EINE SAMMLUNG AUF?
Jede Kunstsammlung ist so individuell wie ihr Besitzer. Deshalb kann ich nur über meine Erfahrungen sprechen. Nachdem ich feststellte, dass die abstrakte Malerei nach 1945 „meine“ Malerei ist, und diese auf vielen Geschäftsreisen kennenlernte, wurden Europa, USA und Japan meine geographischen Sammlungsschwerpunkte. Ohne besonderen Fokus ist eine Sammlung richtungslos. Meinen Kaufentscheidungen gingen anfangs nicht immer Recherchen voraus. Es gab viele Kunstwerke, deren Erschaffer ich zum Zeitpunkt meiner oft nur Sekunden dauernden Entscheidung nicht kannte. Das geschieht teilweise auch heute noch, wenn mich eine Arbeit auf den ersten Blick überzeugt. Heute aber komme ich ohne das Studieren der Kataloge – ob von Auktionen und Galerien – nicht mehr aus. Informationen über Künstler, Herkunft der Werke und deren Qualität sind wichtig. Vor allem, um festzustellen, ob der Preis „gerechtfertigt“ ist. Man muss lernen, sich Grenzen zu setzen, und einen langen Atem zu haben.
Von französischer Avantgarde wollte man im deutschen Kaiserreich um 1900 nicht viel wissen. Und doch feierten die Meisterwerke des Impressionismus auch weilt hier Sternstunden. Der Berliner Kunsthändler Paul Cassirer öffnete Sammlern und Museumsdirektoren die Augen für die Schönheit und Modernität der Gemälde von Renoir und Degas, von Monet und Manet. Im Jahr 1898 kaufte er angeblich für die damals unglaubliche Summe von 50 000 Mark die “Tanzschule“ von Degas für die erste Ausstellung des Franzosen in Deutschland, die in seiner Galerie stattfand. Die Alte Nationalgalerie Berlin würdigt nun mit der Ausstellung „Paul Cassirer und der Durchbruch der Impressionisten“ nicht nur einen der bedeutendsten Galeristen und Moderneverfechter. Kuratorin Josephine Klinger lädt zu einem Gipfeltreffen von Werken höchsten Ranges.
(www.smb.museum, bis 27.9.26, der Katalog erscheint im Hirmer Verlag)
AUßERDEM // BLICK IN DAS GALERIEGESCHEHEN UNSERER AUSSTELLER
HIDDE VAN SEGGELEN bewegt sich in seiner Hamburger Galerie wie immer auf dem Grad von Nonkonformität und hohem ästhetischem Anspruch. Die Skulpturen und Bilder von Thomas Grünfeld sind Grenzgänger zwischen Abstraktion, Surrealismus und Design.2
MUELLERSCHOEN RECKER CONTEMPORARY – ehemals WUNDER-KUNST – ist hautnah am Puls der Zeit mit ihrer Verkaufsshow „Mirror, Mirror – das Abbild und Ich“ im Industrieloft der Neuen Siederei. Es wird ein Querschnitt junger, vielversprechende Positionen vorgestellt, die mittels Porträts das digitale Zeitalter hinterfragen. 3 (www.muellerschoenrecker.de, bis 31.Juli)
GALERIE WOLFGANG JAHN zeigt in ihrer Münchner Lokation mit der Ausstellung „Kaputte Reißverschlüsse“ zum ersten Mal die gleichnamige neue Werkserie des Künstlers Jiři Dokoupil. Der Meister der zarten Seifenblasen wendet sich einer wirklichkeitsnahen Malerei zu. Mit rauem Pinselstrich und in Braun-, Gelb- und Rottönen reizt er die Stofflichkeit seiner Motive aus.4
Kann man sich die frühen Jahre Picassos ohne Ambroise Vollard vorstellen? Oder die Karriere Frank Stellas ohne Leo Castelli? Die Beziehung zwischen Künstler und Galerist ist eine Symbiose, die erst vor gut 200 Jahren entstand, als aus breit sortierten Bilderläden Galerien wurden. Aber schon das 19. Jahrhundert brachte einen Macher à la Larry Gagosian hervor. Den Kunsthändler Charles Sedlmeyer etwa. Er wusste, wie man Stars aufbaut. Für 100.000 Franc im Jahr nahm er den Historienmaler Mihaly Munkacsy unter Vertrag und inszenierte Shows wie den Blick auf den Heiligen Gral. Über eine Enfilade von Räumen gelangte man – gegen Bezahlung natürlich – in verdunkelte Säle, wo Monumentalgemälde wie „Christus vor Pilatus“ oder „Golgotha“ die Besucherseelen ergriffen. Für den geschäftlichen Erfolg sorgten dann auf Amerika-Tournee letztlich Kaufhausmagnaten und Eisenbahnbarone.
Anton Raphael Mengs’ Porträt der Maria Antonia von Sachsen war 2025 Besuchermagnet am Stand von Munich HIGHLIGHTS Aussteller C. E. Franke Kunsthandel, Foto: Matin Jameie
Die Geschichte des Kunsthandels ist manchmal wie großes Kino. Manche behaupten gar er sei das zweitälteste Gewerbe der Welt. Im vorchristlichen Rom waren Griechenlands Götter und Olympioniken aus Marmor Prestigesymbole. Die Versteigerung des Kunstbesitzes von König Attalos III. von Pergamon auf dem Forum Romanum 133 v. Chr. hat selbst Cicero beschrieben. Kunst aus prominenter Quelle hat auch damals die Welt bewegt. Das kommt einem doch bekannt vor. Trotz permanenter Wandlung, trotz heutiger digitaler Strategien – viele Mechanismen des Marktes ähneln sich.
Ein Boutiquemesse wie die Munich HIGHLIGHTS, die in diesem Jahr vom 15. bis 18. Oktober zum 17. Mal stattfindet, ist historisch gesehen ein Neuling im weitverzweigten Marktgetümmel von Händlern, Sammlern, Beratern und Mu-seumskuratoren. Die frühesten Kunst-messen aber fanden bereits im 15. Jahrhundert in Antwerpen statt. Im Hof eines Konvents offerierten1460 erstmals spezialisierte Händler im Schatten der großen Handelsmessen Gemälde und Luxuswaren. Ein Ideen-, Stil- und Kunsttransfer setzte sich in Gang. Manche italienische Altartafeln bekamen plötzlich eine nordeuropäische Note. Denn die flämische Kunst, die anders als im Florenz des 16. Jahrhunderts ohne Auftrag entstand, wurde nach Westen und Osten und über die Alpen exportiert. Überall dorthin, wo finanzstarke Käufer saßen.
Sind sie neugierig geworden auf die vielen Geschichten von Kunsthändlern, Traditionsgalerien und auf die Wechselwirkung zwischen Markt und Kunstgeschehen? Bislang hat die Kunstgeschichte vor allem die Viten und Beziehungen von Künstlern erzählt. Der De Gruyter Verlag leuchtet nun mit dem Band „Noble Begierde“ ganz neu die jahrtausendealte Liaison zwischen Kunst und Markt aus. Weniger von merkantiler Seite, sondern als Motor der Kunstgeschichte. Denn Galeristen und Museumsexperten, Sammler und Kritiker reagierten nicht nur auf neue Kunst-strömungen, schreiben die Herausgeber Christian Huemer und Stephan Koja. Sie schlüpfen oft in die Rolle des ersten glühenden Verfechters von neuen Ideen, sind Entdecker verlorener Meisterwerke und Impulsgeber in Fragen des Ge-schmacks und des Kanons.
EXPERTEN-TIPP //
SILBER – GLÄNZENDE TAFELKULTUR
Georg Jensen, Fischplatte mit Einsatz, 830er Silber, Kopenhagen, 1919. Courtesy Kunsthaus Kende
FRAU PETERSEN, IN IHREM MAGAZIN SALON GEHT ES UM INTERIEUR, KULTUR UND GASTLICHKEIT.
GEHÖRT SILBER IHRER MEINUNG NACH HEUTE ZU EINER FESTLICHEN TAFEL?
Auf jeden Fall. Mal abgesehen vom Glanz, verbinden Stücke wie Leuchter, Zuckerdosen oder Silber-Bestecke oft persönliche Geschichten mit Epochen-Geschichte. Ein Gericht unter der Wärmeglocke aus einem Fürstenhaus zu servieren oder mit einem Jugendstil-Cremelöffel von Henry van de Velde das Dessert – eine herrliche Vorstellung. Diese Dinge stehen für die Ideen bedeutender Entwerfer.
Ich finde, seine Silbertrophäen soll man nicht verstecken, sie gehören zum Genießen dazu. Statt an altmodischer Opulenz denke ich viel eher an die frische Ästhetik, wie sie Designer Henning Koppel im 20. Jahrhundert für Georg Jensen erdacht hat oder an die Art-Déco-Eleganz einer puristischen Wasserkaraffe von Puiforcat. Der Umgang mit Silber im Alltag, vielleicht zur Tea-Time oder um Konfekt zu servieren, ist immer eine kleine Feier des Hier und Jetzt. Das funktioniert genauso mit der flamboyanten Eleganz des Rokoko.
Der Mythos hält sich hartnäckig: Silber läuft sofort an. Ja, weil es mit schwefelhaltigen Stoffen der Luft reagiert. Wichtig ist vor allem eine sanfte Reinigung. Aggressive Tauchbäder oder Hausmittel wie Alufolie und Salz sind tabu. Wussten Sie, dass Hautfett der Silbersulfid-Bildung entgegenwirkt? Deshalb: Benutzen Sie ihr Tafelsilber regelmäßig.
Anne Petersen, Chefredakteurin SALON
KULTUR-TIPP // SHOWTIME FÜR VARIOUS OTHERS
In der Galerie Deborah Schamoni: Maryam Hoseini, Diagonal Duration, 2025, Öl, Acryl, Tinte und Bleistift auf Holzplatte, 61 x 137,2 x 5,1 cm. Courtesy the artist/Green Art Gallery Dubai/Deborah Schamoni
London hat es, Berlin und auch München. Ein Wochenende, an dem die Stadt vibriert vor lauter Kunst. In Galerien, Off-Spaces und auch in manchen Künstlerateliers stehen die Türen weiter auf als sonst, die Ausstellungen sind eine Spur aufregender. Was sich in London Gallery Weekend nennt, heißt in München VARIOUS OTHERS und dauert gleich zehn Tage – vom 14. bis 24. Mai. Ihr Konzept ist alles andere als gewöhnlich. Münchner Galerien laden Kollegen aus aller Welt zu Kooperationen ein. Deborah Schamoni und Green Art Galerie präsentieren beispielsweise die in Iran geborenen Maryam Hoseini. Galerie Lohaus Sominsky arbeitet mit dem Pariser Erfolgsgaleristen Kamel Mennour zusammen. Jahn und Jahn zeigen gemeinsam mit Matthew James Holman aus New York wilde Arbeiten von Willem de Kooning und intuitiven Farbkompositionen von Jana Schröder. Dazu jede Menge Talks, Performances, Diskussionen.
AUßERDEM // BLICK IN DAS GALERIEGESCHEHEN UNSERER AUSSTELLER
BECK & EGGELING INTERNATIONAL FINE ART hat dem ZERO-Künstler Heinz Mack, der im Galerieprogramm der Düsseldorfer schon seit Jahren eine Rolle spielt, zum 95. Geburtstag den roten Teppich ausgerollt und zeigt neuere Collagen, Pastellzeichnungen und Keramik des Farb- und Lichtmagiers.
FELIX JUD & CO. bringt norddeutsches Flair in das Hamburger Antiqauriat – mit ungestümen Stimmungsbildern und zar-ten Apfelblütenzweigen der in Friesland lebenden Malerin Frauke Gloyer.
GALERIE JORDANOW zeigt in München, wie nah und doch so fern sich die skulpturalen, organisch-eruptiven Kera-miken der 1982 in München geborenen Keiyona und die wie Mikro-Organismen wimmelnden Abstraktionen der Berliner Zeichnerin Biene Feld sind.
GALERIE KOCH aus Hannover ehrt ebenfalls einen Jubilar aus den wilden 1960/70er Jahren. Horst Antes, der Erfinder der Kopffüßler, wird 90. Er konnte auch anders, wie das nebenstehende Gemälde zeigt. Dahinter verbirgt sich eine Auseinandersetzung mit den Köpfen Jawlenskys.
Der neue Art Market Report hat eine gute Botschaft für alle, die mit Kunst befasst sind: Es gab 2025 weltweit ein sanftes Wachstum für die Branche. Um vier Prozent auf insgesamt 59,6 Milliarden Dollar stieg der globale Umsatz von Händlern, Galeristen und Auktionshäusern. Man kann fast den Seufzer der Erleichterung hören, denn der Kunstmarkt ist ein fragiles Geflecht, abhängig von Wirtschaftskrisen, von politischen Konflikten und, und, und. Die Kunstmarkt-Ökonomin Clare McAndrew hält sich jedoch auch in ihrem zehnten Art Market Analyse, der von Art Basel und UBS herausgegeben wird, an Fakten und Zahlen.
Munich HIGHLIGHTS 2025 am Stand der Galerie Utermann, Foto: Jens Bruchhaus
Das Branchenplus aber kommt nicht überall in gleicher Höhe an, gibt die Kunstmarkt-Journalistin Sabine Spindler zu bedenken. „Zum Umsatzzuwachs hat hauptsächlich der Auktionssektor mit einer Steigerung von neun Prozent beigetragen, vor allem im Hochpreis-segment. Und doch bleibt die Position des Handels beachtlich. Er bestreitet nach wie vor mehr als die Hälfte der weltweit erlösten Milliarden und verzeichnete einen Zuwachs von zwei Prozent.“, so die Markt-Beobachterin.
Wachstum gab es nicht in allen Regionen. Deutschland etwa ächst unter einer Wirtschaftsflaute. Das streut Sand ins Getriebe schwächerer Marktteilnehmer. Zehn Prozent hat der deutsche Kunsthandel eingebüßt. Frankreich hingegen legte um neun Prozent zu. „Für Galerien hat der Standort Paris nach dem Brexit enorm an Attraktivität gewonnen. Da wird ein Widerspruch deutlich. Wir haben sehr erfolgreiche, international agierende Galerien, aber der Standort Deutschland selbst erfährt im Moment kein Wachstum.“, meint Sabine Spindler.
Nicht nur für die Munich HIGHLIGHTS, die in diesem Jahr vom 15. bis 18. Oktober stattfindet, hat folgender Aspekt Relevanz: Messen bleiben laut Clare McAndrew eine zentrale Plattform für den Handel. Global gesehen setzten Galeristen und Händler 2025 mit einem Anstieg von vier Prozent mehr als 33 Prozent ihres Jahresumsatzes auf den 370 Messen von New York über Basel bis Seoul um, Online-Verkäufe hingegen gingen zurück.
Rosilene Luduvico, Esther I, 2016, Öl auf Kreidegrund, 40 x 30 cm, Courtesy Galerie Zink
Die Fakten des Art Market Reports bestätigen die gefühlte Insider-Wahrheit. Der Anteil der Gegenwartskunst ist mit 50 Prozent des weltweit erzielten Umsatzes weiterhin sehr hoch, trotz rückläufiger Verkäufe. Stärkere Zuwächse verzeichneten Moderne und Nachkriegskunst. „Weil ihre Preisspirale nach oben ging“, so Sabine Spindler. Weiter an Terrain gewonnen haben Künstlerinnen. Obwohl der sogenannte Gender Pay Gap unübersehbar ist. Im Primärsektor machen weibliche Positionen mittlerweile die Hälfte aus, ihr Anteil an der Wertschöpfung liegt jedoch nur bei 44 Prozent.
Der Art Market Report will kein Kunstkauf-Leitfaden sein. Er ist für die Branche ein Trend-Sensor. Dass das Flanieren über die HIGHLIGHTS vergnüglicher ist, steht außer Frage.
EXPERTEN-TIPP //
RESTAURATORIN MARJEN SCHMIDT ZUM THEMA:LONGEVITY FÜR FOTOGRAFIEN
ZEITGENÖSSISCHE FOTOGRAFIE BESITZT DAS, WAS MAN WALLPOWER NENNT. WIE SOLL MAN ALS PRIVATSAMMLER MIT DEM MEDIUM UMGEHEN?
Wallpower-Abzug oder kleines subtiles Werk, schwarzweißer Silbergelatineabzug, großformatiger C-Prints oder Inkjetprints – die ursprüngliche Qualität einer Fotografie bleibt länger erhalten, wenn Sie, wie bei Arbeiten auf Papier, die Rahmung mit UV-undurchlässigen Verglasungen versehen und die Arbeiten nicht ins direkte Sonnenlicht hängen. Schützen Sie Ihre Sammlungsstücke vor Kaffee- und Rotweinflecken oder anderen Getränken, sie lassen sich nicht durch Bleichen oder Radieren entfernen. Auch Fingerabdrücke können bleibende Spuren hinterlassen, benutzen Sie Baumwoll- oder Einmalhandschuhe aus Nitril beim Handling. Hat sich ein Blatt gewellt, geben Sie es in die Hände von Fachleuten. Das empfiehlt sich auch bei Rissen, Knicken und Verschmutzungen der Oberfläche.
Für die Aufbewahrung – sowohl großer als auch handlicher Formate – wählen Sie am besten einen dunklen, kühlen und trockenen Raum, nicht über 20°C und unter 50% relativer Luftfeuchtigkeit. Dachböden und Keller sind ungeeignet. Kleinere Abzüge lassen sich im Passepartout in säurefreien Archivboxen lagern. Die Bildseite mit Archivpapier aus dem Spezialhandel abdecken und nicht in mitunter schädliche PVC-Hüllen aus dem Bürobedarf stecken. Es lohnt sich.
Marjen Schmidt, freie Restauratorin für Fotografien
Um diese Charaktere muss man keine Legenden ranken lassen. Wir kennen sie. Die scheinbar Fröhliche in Ringelshirt und Baskenmütze, oder die nicht mehr taufrische Laszive im seidenen Pyjama, die ihre schweren Brüste zeigt und sich räkelt wie die Venus von Tizian. Cindy Sherman hat mit ihren Masken und Verkleidungen, in denen sie sich selbst als stereotype weibliche Rollenbilder stilisiert, Fotogeschichte geschrieben. Die Sammlung Götz zeigt bis 27. Juni in ihrer Interims-Galerie „Schaufenster“ in der Münchner Pacellistraße 5, die als Ausweichquartier während der Sanierung des Herzog- de Meuron-Baus dient, eine Auswahl von Motiven der Amerikanerin aus den 1980er/1990er Jahren. Überschaubar und gerade richtig für einen Kunstsnack zwischen Shopping und Sundowner in der Frühlingssonne. (www.sammlung-goetz.de)
AUßERDEM // BLICK IN DAS GALERIEGESCHEHEN UNSERER AUSSTELLER
Die GALERIE ALBERTINA · ZETTER in Wien hat einen guten Draht zum Nachlass Markus Prachenskys und feiert das vitale Werk des informellen Österreichers.Gestische Pinselstriche in Rot kennzeichnen seine Arbeit, die oft von Orten und Musik inspiriert wurde. Das verraten Titel wie „Korsika Bebop“ oder „Luxor Swing“ verraten. (www.galerie-albertina.at, bis 25. April)1
DIE GALERIE HEROLD in Hamburg schlägt mit „Abstrakt“ den Bogen von den 1930er und 1960er Jahren zu jüngeren Vertretern des Ungegenständlichen. Für die ältere Generation stehen Alexandra Povòrina und Johannes Gecelli. Neue Wege mit Anleihen bei der Farbfeldmalerei und dem Konstruktiven gehen Henning Kles und Daniel Hörner.
GALERIE NANNA PREUßNERS hat ihre international gefeierte Künstlerin Angela Glajcar selbstverständlich von Hamburg an ihren neuen Galeriestandort München mitgenommen.
Durch Schichtung von gerissenen Papieren und mit Hilfe von Licht schafft sie Objekte von großer Präsenz und Schönheit. „Faszinierend!“ heißt denn auch die nächste Ausstellung. (www.nannapreussners.de, 12. Juni bis 11. Juli)3
DIE GALERIE in Frankfurt schärft den Blick für Künstler und Künstlerinnen, deren Biographien in der DDR begannen. Johannes Heisig, Volker Stelzmann und Klaus Zylla gehören schon lange fest zum Galerieportfolio. Zum Trio gesellen sich Doris Ziegler, Hubertus Giebe und Lars Wiedemann u.a.
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