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18958 FIRST LOOK: VORHANG AUF FÜR DIE KUNST

Die diesjährige Ausstellerliste mit renommierten Kunsthändlern wie Beck & Eggeling International Fine Art, Wienerroither & Kohlbacher oder Helga Matzke European Silver steht seit einigen Wochen fest. Und bei uns im Messebüro beginnt das große Planen. Welcher Galerist präsentiert sich wem gegenüber, aber vor allem: mit welchen Meisterwerken, welchen Neu- und Wiederentdeckungen von der Renaissance bis zur Gegenwart werden uns die mehr als 50 Händler aus Deutschland und Europa in der Residenz begeistern? Zwischen Alten Meistern und Jungen Wilden, zwischen Vintage-Schmuck und bibliophilen Raritäten wie bei unserem neuen Teilnehmer Antiquariat August Laube aus Zürich sehen wir für die 17. Ausgabe der HIGHLIGHTS, die nach zwei Preview-Tagen vom 15. bis 18. Oktober 2026 stattfindet, einen starken Trend zur Klassischen Moderne: Werke von Chagall, Alexej von Jawlensky, Alfons Walde und Egon Schiele sind angekündigt. Unser „First Look“ kann nur der berühmte Appetithappen für das hochkarätige Kunstangebot der HIGHLIGHTS sein.

Mit der großen Retrospektive im Guggenheim-Museum New York im vergangenen Jahr ist die Expressionismus-Pionierin Münter endgültig in der internationalen Szene angekommen. Im Jahre 1908, als die Landschaft entstand, ließ die Malerin alles Impressionistische hinter sich und entwickelte ihren flächigen Malstil. „Vom Griesbräukeller“ aus dem Angebot von Ludorff wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen.1


Fein, schnörkellos, elegant und antikisierend. Um 1800 entwickelte sich in Schweden mit dem Gustavianischen Stil eine eigenständige Ausprägung des Klassizismus, die französische Vorbilder aufnahm und ins Skandinavische übersetzte. Die vergoldete Konsole, die Hoffmans Antiques anbietet ist dem Bildhauer Pehr Ljung zugeschrieben und zeigt die Eleganz schwedischer Möbelkunst um 1800.2


Franz von Stuck ist eine der prägenden Künstlerpersönlichkeiten um 1900. Berühmt für symbolistische Sujets, aber auch für seine Porträtkunst. Zu seinen Lieblings-Modellen gehörte Tochter Mary.  Stuck inszenierte sie in diversen Rollen: als spanische Infantin, als Jugendstil-Blumenkind und – wie von Kunkel Fine Art angeboten – als Mädchen in Münchner Tracht. Ohne Hintergrund konzentriert Stuck den Blick ganz auf das Gesicht der etwa 16-Jährigen, das über das Familiäre hinaus vom Reiz der Jugend erzählt.3


Der japanische Metallkünstler Takahiro Iede bewegt sich zwischen Tradition und Innovation. Der heute 64jährige reaktivierte für seine Arbeiten eine Jahrhunderte alte Metalltechnik Ayaori-gane, bei dem verschieden Metalldrähte verwebt werden. Seine Formen und Dekore aber ruhen ganz in der Moderne. Für das auf Silber aus fünf Jahrhunderten spezialisierte Kunsthaus Kende gehört er zu jenen zeitgenössischen Metallkünstlern, die altes nicht negieren und zugleich Schönheit neu definieren.4


Albin Egger-Lienz, einer der Großen der österreichischen Moderne, berührt in seinem Werk die tiefen Fragen des Daseins. Vorwiegend in Darstellungen des bäuerlichen Milieus thematisiert der Tiroler Maler Tod, Krieg und das im Abendland symbolisch konnotierte „tägliche Brot“. So auch im Gemälde „Mittagessen“ von 1920 aus dem Angebot von Kunsthandel Freller. Egger-Lienz Werke sind in so bedeutenden Sammlungen wie dem Leopold Museum und der Albertina in Wien vertreten.5


// EXPERTEN-TIPP: DIE MAGIE DER EDELSTEINE

FRAU SCHMITZ, ALS INHABERIN VON “THE OLD TREASURY” BEREICHERN SIE DAS SCHMUCKANGEBOT DER MUNICH HIGHLIGHTS. SIE SIND AUCH GEMMOLOGIN.

WELCHE ROLLE SPIELEN STEINE FÜR DEN WERT VON SCHMUCKSTÜCKEN?

Es gibt Stücke, da sind winzige Steine einzeln als kleine Akzente gesetzt, da fallen sie nicht so ins Gewicht. Aber wenn viele nebeneinander gesetzte Steine wie etwa bei einer stilisierten Blume die Kreation bestimmten, besitzen sie preisliche Relevanz. Dann gibt es Ringe, Anhänger etc, die von einem einzigen großen Stein dominiert werden und Solitäre, die fast den gesamten Wert ausmachen. Da geht es um Reinheit, Schliff, Farbe, Größe. Extrembeispiel: Der „Eternal Pink“, ein rosa Diamant von über 10 Karat, wurde für über 35 Millionen Dollar versteigert. Auch große Rubine sind selten, Smaragde aus Kolumbien oder Saphire aus Kashmir sind etwas Besonderes. Begehrlichkeit kann entstehen, wenn die Minen nichts mehr hergeben. Das ist, als wäre ein Künstler-Oeuvre abgeschlossen. 

Wenn es um bleibende Werte geht, sind synthetische Edelsteine weniger interessant. Das ist ein Industrieprodukt und nicht in tausenden von Jahren unter der Erde entstanden. Was man tun kann, wenn ein Stein beschädigt wird? Ersetzen oder Schleifen, aber dann verändert sich das ganze Stück, da ja auch die Fassung angepasst werden muss. Ein seriöser Händler wird immer einen Rat wissen.6

Laura Schmitz, Vintageschmuck-Expertin und Gemmologin


KULTUR-TIPP: SARACENOS ZUKUNFTSWELTEN

„Wenn das Lama von den Sternen trinkt und die Spinne Lebenszyklen webt… und die Zeit sich ausdehnt wie Salz.“ So beschreibt der Installationskünstler Tomás Saraceno den konzeptuellen roten Faden seiner Ausstellung „Verwobenen Welten“ im Haus der Kunst in München. In den oft begehbaren Werken denkt der in Berlin lebende Argentinier neue ökosoziale Modelle der Koexistenz von Menschen und anderen Lebenswesen phantasievoll voraus. Sein jüngstes Projekt ist in Zusammenarbeit mit dem Red-Atacana Netzwerk entstanden. Das Wassersystem der indigenen Gruppe im Norden Argentiniens ist durch Lithium-Abbau gefährdet. Öko-Belehrung? Nicht mit Saracenos phantastischen Zukunftsvisionen.7

Verwobene Welten. Tomás Saraceno in Cooperation, Haus der Kunst München

bis 7.2.20207, www.hausderkunst.de

  1. Gabriele Münter, Vom Griesbräukeller, 1908, sign. und dat, Öl auf Malkarton, 33 x 41 cm. Courtesy Ludorff ↩︎
  2. Klassizistischer Konsoltisch, Pehr Ljung zugeschrieben, Stockholm um 1790, Holz, geschnitzt, Carrara-Marmor. Courtesy Hoffmans Antiques ↩︎
  3. Franz von Stuck, Mary in Münchner Tracht, um 1912, Öl über Bleistift auf oktogonalem Malkarton, 35 x 35 cm, in originalem Franz-von-Stuck-Rahmen. Courtesy Kunkel Fine Art ↩︎
  4. Takahiro Iede, Ayaori-Vase, 2019, Silber, Shakudo, Shibuichi, H: 27,3 cm. Courtesy Kunsthaus ↩︎
  5. Albin Egger-Lienz, Mittagessen, 1920, sing. und datiert, Öl auf Leinwand, 89 x 124 cm. Courtesy Kunsthandel Freller ↩︎
  6. Ohrclips-Paar, Trabucci, Mailand, ca. 1970, 18 k Gelbgold, Amethyst, Peridot, Aquamarine und Citrine. Courtesy The Old Treasury ↩︎
  7. Tomás Saraceno in collaboration, Verwobene Welten, Ausstellungsansicht, Haus der Kunst München, 2026, Foto: Agostino Osio. © Haus der Kunst München, 2026 ↩︎
Categories: NEWS 18476 MODERNES MÄZENATENTUM

Schon seit langem gehört Martin Hoernes zu den HIGHLIGHTS-Ehrengästen. Der promovierte Kunsthistoriker ist seit 13 Jahren Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung – kurz EvSK. Schon von Berufs wegen kennt er die besondere Beziehung zwischen Kunsthandel und Museen sehr genau.

Kunstbegeistert und engagiert: Dr. Martin Hoernes. Courtesy Bayerische Staatsgemäldesammlungen/Foto:Haydar Koyupinar

HERR DR. HOERNES, 2026 WURDE ERSTMALS DER “ERNST VON SIEMENS PREIS FÜR KUNST UND HANDEL” VERLIEHEN. WOLLEN SIE DEN KULTURSTATUS DES KUNSTHANDELS STEIGERN?

Ausgezeichnet werden Händler, die tief in die Geschichte eines Werks eintauchen und dieses Wissen mit Museen teilen und zugleich mäzenatisch agieren in dem Bewusstsein, dieses Kunstwerk gehört unbedingt in dieses Museum. Hinter dem Preis steckt die Idee, dass es ohneeinander nicht geht. Die 100 000 Euro werden für eine gelungene Kooperation zwischen Handel und Museen verliehen und gehen ausschließlich an das Museum.

Mit Unterstützung der EvSK erwarb das Bayerische Nationalmuseum München den silbernen Augsburger Gläserkühler von 1701 von Munich HIGHLIGHTS-Aussteller Helga Matzke European Silver. Courtesy Ernst von Siemens Kulturstiftung

DIE ZAHL DER ANTRÄGE AUF FÖRDERUNG STEIGT. SIND SIE IN ZEITEN KNAPPER KASSE DIE RETTER RENOMMIERTER MUSEEN?

Für das Funktionieren ihrer Museen ist die öffentliche Hand selbst verantwortlich. Wir unterstützen die Wissenschaftler bei Ankäufen, Forschung, Restaurierung, wenn wir darum gebeten werden. Großzügig, schnell, unbürokratisch, wie das im Kunstmarkt oft erforderlich ist. 2025 haben wir 18 Erwerbungen mitfinanziert, z. B. von Hans Baldung Griens spätgotische Tafel „Maria als Himmelskönigin“ für die Alte Pinakothek München bis zu einer Videoarbeit von Nam June Paik von 1980 für das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe.

DIE ZAHL DER ANTRÄGE AUF FÖRDERUNG STEIGT. SIND SIE IN ZEITEN KNAPPER KASSE DIE RETTER RENOMMIERTER MUSEEN?

Mehr als drei Megaprojekte jährlich, bei denen wir insgesamt bis zu 10 Millionen Euro zusteuern, gehen nicht. Die Tafel von Baldung Grien etwa wurde gemeinsam mit der Pesl Stiftung und dem Pinakotheks-Verein finanziert.

WAS IST FÖRDERUNGSWÜRDIG?

Wir wollen Museen zu Glanzlichtern verhelfen und keine Depotstücke finanzieren. Es geht um bedeutende, historische Kunstwerke. Das kann auch moderne Kunst sein,  aber keine Werke von lebenden Künstlern und Künstlerinnen.1

DIE ZAHL DER ANTRÄGE AUF FÖRDERUNG STEIGT. SIND SIE IN ZEITEN KNAPPER KASSE DIE RETTER RENOMMIERTER MUSEEN?

Die wunderbaren Objekte, die Händler, die Museumskuratoren – das reizt mich jedes Jahr. Die HIGHLIGHTS ist nicht nur eine Verkaufsmesse, sie ist zugleich ein großes Treffen der Kunstszene inklusive  Sammlern. In der Regel fahre ich mit 2 bis 3 neuen Anträgen nach Hause.

HIGHLIGHTS-GET TOGETHER MIT HDI ART&LIFESTYLE UND WELTKUNST

Die Gastgeber Munich HIGHLIGHTS, HDI art&lifestyle und WELTKUNST begrüßen im Bucerius Kunstforum die Gäste des Abends. Foto: Maximilian Probst

Es tut gut, Freunde und Partner zu treffen. Auch schon vor dem Messestart im Oktober. Deswegen luden Munich HIGHLIGHTS, unser Sponsor HDI, der mit seiner Kunstversicherung art&lifestyle Kunstliebhabern ein Rundum-Sorglos-Paket anbietet, und unser Medienpartner WELTKUNST zahlreiche Sammler, Kunsthändler und Museumskuratoren in das Bucerius Kunstforum in Hamburg ein. Auch WELTKUNST-Chefredakteurin Lisa Zeitz aus Berlin wollte auf keinen Fall den Rundgang durch die Ausstellung „F.C. Gundlach. You´ll never watch alone“ in der Kunsthalle des ehemaligen Zeit-Herausgebers verpassen. Für die Kunst ist der HIGHLIGHTS-Community nun mal kein Weg zu weit.2

KULTUR-TIPP // SEHNSUCHT NACH DEM SÜDEN

Anton von Werner, Blick über die Halbinsel von Sorrent, 1869, Bleistift und Tusche auf Papier, 23,5 x 36,3 cm. Courtesy Kunkel Fine Art

Über Jahrhunderte war Italien für Künstler aus dem Norden das Land, wo das Licht wärmer, aber die Schatten umso härter sind. Wo die Natur einen Zauber verbreitet, der zu neuen Bildideen inspiriert, und wo die morbiden Fassaden Venedigs den bitter-süßen Geschmack von Melancholie hinterlassen. Wie schon Generationen zuvor zog „Die Sehnsucht nach dem Süden“ – so der Titel einer charmanten Ausstellung, die die Stiftung Kurt und Barbara Alten im Museo Castello San Materno im schweizerischen Ascona realisierte – Künstler auch nach 1850 nach Capri, in die Ewige Stadt Rom oder nach Tivoli. Wie etwa Oswald Achenbach, Ludwig Passini oder Sigmund Lipinsky und Anton von Werner. Die rund 40 gezeigten Werke stammen aus einer deutschen Privatsammlung, die größtenteils mit Unterstützung von Kunkel Fine Art aufgebaut wurde. Bilder, die man noch nicht hundert Mal gesehen hat! 

(www.museoascona.ch/de/museo-castello-san-materno, bis 23. August, der Katalog erschien im Wienand Verlag)

AUßERDEM // BLICK IN DAS GALERIEGESCHEHEN UNSERER AUSSTELLER

GALERIE ANDREAS BINDER reflektiert mit einer Gruppenausstellung ihr 35-jähriges Bestehen. Die Jubiläumsshow zeigt Werke von langjährigen und jüngeren Wegbegleitern wie Stefan Hunstein, Jan Davidoff, Tina Berning und Ariamna Contino sowie Philipp Lachenmann.

(www.galerieandreasbinder.de, bis 31. Juli)3

CHRISTIAN EDUARD FRANKE KUNSTHANDEL und vier weitere Kunst-händler aus der UNESCO Welterbestadt haben während der Bamberger Anti-quitätenwochen, die ab Ende Juli parallel zu den nahe gelegenen Bayreuther Festspielen stattfinden,  ihre Türen wieder weit geöffnet. Im Mittelpunkt von Christian Eduard Landwers Präsentation stehen hochkarätige Objekte wie ein ovales, frühklassizistisches Tischchen aus der legendären Manufaktur David Roentgens sowie eine Marmorbüste des Herzogs von Reichstadt, des einzigen Sohnes Napoleon Bonapartes. 

(22. Juli bis 22. August, 

www.bambergerantiquitätenwochen.de)4

GALERIE UTERMANN in Dortmund zeigt unter dem Titel „Collection Highlights“ das Beste aus den Beständen. Im Fokus der mehr als 150 Jahre existierenden Galerie stehen heute Werke der klassischen Moderne und der Nachkriegskunst. In der aktuellen Ausstellung: unter anderem Werke von Alexej von Jawlensky, Lyonel Feininger, Serge Poliakoff und Norbert Tadeusz sowie Karl Hartung.

(bis 30. August, www.galerieutermann.de)5

  1. Romantik trifft Moderne – Werke von Johann Jakob Frey und Franz Barwig am Stand von Gierhards Antiques & Fine Art.
    Foto: Matin Jameie ↩︎
  2. Abbildung 5 und 6: Kunsthändler Thomas le Claire (Foto li.) und Chefredakteurin Lisa Zeitz (Foto re.) in der Ausstellung “F.C. Gundlach. You’ll never watch alone” im Bucerius Kunstforum. Foto: Maximilian Probst ↩︎
  3. Philipp Lachenmann, Eclipse (Evolution), polierter Edelstahl, programmierbares Lichtsystem, D: 150 cm. Courtesy the artist und Galerie Andreas Binder ↩︎
  4. David Roentgen, Arbeits- und Beistelltisch, Neuwied, um 1785/90, Mahagoni, Messingbeschläge, 76 x 72 x 50 cm. Courtesy Christian Eduard Franke Kunsthandel
    Foto: Michael Aust ↩︎
  5. Karl Hartung, Sitzende Figur, ca. 1937/38, Bronze, 34 x 28 x 14 cm. Courtesy Galerie Utermann ↩︎
Categories: NEWS 18192 VON SAMMELLUST UND MODERNEN WALLFAHRTEN

Für Sammler und Kunstbegeisterte sind die großen Events die modernen Wallfahrtsorte geworden. Man erwartet tiefen Sinn und innere Erleuchtung, wenn auch nicht im religiösen Sinne. Deswegen werden die politischen Spannungen der 61. Biennale in Venedig wohl keinen von seiner Reise in die Lagunenstadt abhalten. Die Kunst muss ein weitgefasstes Netz politischer und individueller Menschlichkeit sein, heißt die Botschaft der 2025 plötzlich verstorbenen Kuratorin Koyo Kouoh. Dafür steht diesmal Venedig, wo man in vielen Tonarten und Lautstärken dem Sound des aktuellen Diskurses lauschen kann.

Den Zauber des Unsichtbaren entdecken – Werke des Hamburger Fotografen Gregor Törzs auf der HIGHLIGHTS 2026 am Stand von Galerie Commeter.  Foto: Jens Bruchhaus

In der näher rückenden Art Basel sieht es schon wieder anders aus. Da spricht der Kunst-Markt und die Sammler dürfen wieder ganz Sammler sein. Was sie im innersten antreibt, hat der Schriftsteller und Keramiker Edmund de Waal einmal treffend formuliert: „Sammeln ist ein Akt der Selbstdefinition. Es bedeutet, etwas in der Welt zu finden, es auszuwählen… Es in das eigenen Energiefeld zu holen und in den eigenen Raum zu bringen.“

Eine Kunstsammlung ist demnach das geistige Röntgenbild ihres Besitzer.  Psychologen sprechen davon, dass das Sammeln eine Form von Selbstdarstellung sei, oder ein Weg, dem Chaos der Welt eine eigene Ordnung entgegenzusetzen. 

Das weitgefächerte Spektrum des Sammelns begegnet uns auch stets aufs Neue auf der Munich HIGHLIGHTS, die vom 15. bis 18. Oktober zum 17. Mal stattfindet. Der eine fühlt sich zu den deutschen Expressionisten hingezogen, der andere ist von barockem Silber fasziniert. Andere halten es vielleicht mit dem Sammler François Pinault. Er verspüre beim Sammeln keine nostalgischen Gefühle, es sei das Morgen, was ihn interessiere. Was immer Sie motiviert zu sammeln, wir hoffen, dass Goethe auch im 21. Jahrhundert recht behält. Er meinte nämlich: „Sammler sind glückliche Menschen.“1

EXPERTEN-TIPP //

SAMMELN HEISST FOKUSSIEREN

Neuste Erwerbung des Museum Reinhard Ernst: Michael Anthony Müllers wandfüllendes Gemälde „Titanomachie“ aus den Jahren 2024-26 © Museum Reinhard Ernst 

HERR ERNST, VOR ZWEI JAHREN HABEN SIE DAS MUSEUM REINHARD ERNST IN WIESBADEN ERÖFFNET, DAS IHRE INTERNATIONAL BEDEUTSAME KOLLEKTION INFORMELLER UND ABSTRAKTER KUNST BEHERBERGT.

WIE BAUT MAN SO EINE SAMMLUNG AUF?

Jede Kunstsammlung ist so individuell wie ihr Besitzer. Deshalb kann ich nur über meine Erfahrungen sprechen. Nachdem ich feststellte, dass die abstrakte Malerei nach 1945 „meine“ Malerei ist, und diese auf vielen Geschäftsreisen kennenlernte, wurden Europa, USA und Japan meine geographischen Sammlungsschwerpunkte. Ohne besonderen Fokus ist eine Sammlung richtungslos. Meinen Kaufentscheidungen gingen anfangs nicht immer Recherchen voraus. Es gab viele Kunstwerke, deren Erschaffer ich zum Zeitpunkt meiner oft nur Sekunden dauernden Entscheidung nicht kannte. Das geschieht teilweise auch heute noch, wenn mich eine Arbeit auf den ersten Blick überzeugt. Heute aber komme ich ohne das Studieren der Kataloge – ob von Auktionen und Galerien – nicht mehr aus. Informationen über Künstler, Herkunft der Werke und deren Qualität sind wichtig. Vor allem, um festzustellen, ob der Preis „gerechtfertigt“ ist. Man muss lernen, sich Grenzen zu setzen, und einen langen Atem zu haben.

Reinhard Ernst, Sammler und Museumsgründer

©  Museum Reinhard Ernst / Tanja Nitzke

KULTUR-TIPP // CASSIRER – PATE DES IMPRESSIONISMUS

Édouard Manet, Familie Monet in ihrem Garten in Argenteuil, 1874. © The Metropolitan Museum of Art, New York, Bequest of Joan Whitney Payson, 1975 

Von  französischer Avantgarde wollte man im deutschen Kaiserreich um 1900 nicht viel wissen. Und doch feierten die Meisterwerke des Impressionismus auch weilt hier  Sternstunden. Der Berliner Kunsthändler Paul Cassirer öffnete Sammlern und Museumsdirektoren die Augen für die Schönheit und Modernität der Gemälde von Renoir und Degas, von Monet und Manet. Im Jahr 1898 kaufte er angeblich für die damals unglaubliche Summe von 50 000  Mark die “Tanzschule“ von Degas für die erste Ausstellung des Franzosen in Deutschland, die in seiner Galerie stattfand. Die Alte Nationalgalerie Berlin würdigt nun mit der Ausstellung „Paul Cassirer und der Durchbruch der Impressionisten“ nicht nur einen der bedeutendsten Galeristen und Moderneverfechter. Kuratorin Josephine Klinger lädt zu einem Gipfeltreffen von Werken höchsten Ranges. 

(www.smb.museum, bis 27.9.26, der Katalog erscheint im Hirmer Verlag)

AUßERDEM // BLICK IN DAS GALERIEGESCHEHEN UNSERER AUSSTELLER

HIDDE VAN SEGGELEN bewegt sich in seiner Hamburger Galerie wie immer auf dem Grad von Nonkonformität und hohem ästhetischem Anspruch. Die Skulpturen und Bilder von Thomas Grünfeld sind Grenzgänger zwischen Abstraktion, Surrealismus und Design.2

(www.hiddevanseggelen.com, ab 29. Mai)

MUELLERSCHOEN RECKER CONTEMPORARY – ehemals WUNDER-KUNST – ist hautnah am Puls der Zeit mit ihrer Verkaufsshow „Mirror, Mirror – das Abbild und Ich“ im Industrieloft der Neuen Siederei. Es wird ein Querschnitt junger, vielversprechende Positionen vorgestellt, die mittels Porträts das digitale Zeitalter hinterfragen. 3 (www.muellerschoenrecker.de,  bis 31.Juli)

GALERIE WOLFGANG JAHN zeigt in ihrer Münchner Lokation mit der Ausstellung „Kaputte Reißverschlüsse“ zum ersten Mal die gleichnamige neue Werkserie des Künstlers Jiři Dokoupil. Der Meister der zarten Seifenblasen wendet sich einer wirklichkeitsnahen Malerei zu. Mit rauem Pinselstrich und in Braun-, Gelb- und Rottönen reizt er die Stofflichkeit seiner Motive aus.4

(www.galeriejahn.com, bis 13. Juni)

  1. Stand von Munich HIGHLIGHTS 2025 Ausstellerin Almut Wager, Foto: Matin Jameie ↩︎
  2. Thomas Grünfeld, O.T. (egg/pastel blue), 2018, Expositharz, Glas, Holz, 106 x 83 x 7 cm, Courtesy Hidde van Seggelen ↩︎
  3. Charlie Stein, Museum of Vessels II, 2025, Öl auf Leinwand, 180 x 180 x 4 cm. Courtesy the artist und Muellerschoen Recker Contemporary ↩︎
  4. Jiři Dokoupil, Kaputter Reißverschluss, 2022-2026, Mischtechnik auf Leinwand, 64 x 80 cm. Courtesy Studio Jiři Dokoupil und Galerie Wolfgang Jahn ↩︎
Categories: NEWS 18122 JAHRTAUSENDEALTE LIAISON: DIE KUNST UND DER MARKT

Kann man sich die frühen Jahre Picassos ohne Ambroise Vollard vorstellen? Oder die Karriere Frank Stellas ohne Leo Castelli? Die Beziehung zwischen Künstler und Galerist ist eine Symbiose, die erst vor gut 200 Jahren entstand, als aus breit sortierten Bilderläden Galerien wurden. Aber schon das 19. Jahrhundert brachte einen Macher à la Larry Gagosian hervor. Den Kunsthändler Charles Sedlmeyer etwa. Er wusste, wie man Stars aufbaut. Für 100.000 Franc im Jahr nahm er den Historienmaler Mihaly Munkacsy unter Vertrag und inszenierte Shows wie den Blick auf den Heiligen Gral. Über eine Enfilade von Räumen gelangte man – gegen Bezahlung natürlich – in verdunkelte Säle, wo Monumentalgemälde wie „Christus vor Pilatus“ oder „Golgotha“ die Besucherseelen ergriffen. Für den geschäftlichen Erfolg sorgten dann auf Amerika-Tournee letztlich Kaufhausmagnaten und Eisenbahnbarone.

Anton Raphael Mengs’ Porträt der Maria Antonia von Sachsen war 2025 Besuchermagnet am Stand von Munich HIGHLIGHTS Aussteller C. E. Franke Kunsthandel, Foto: Matin Jameie

Die Geschichte des Kunsthandels ist manchmal wie großes Kino. Manche behaupten gar er sei das zweitälteste Gewerbe der Welt. Im vorchristlichen Rom waren Griechenlands Götter und Olympioniken aus Marmor Prestigesymbole. Die Versteigerung des Kunstbesitzes von König Attalos III. von Pergamon auf dem Forum Romanum 133 v. Chr. hat selbst Cicero beschrieben. Kunst aus prominenter Quelle hat auch damals die Welt bewegt. Das kommt einem doch bekannt vor. Trotz permanenter Wandlung, trotz heutiger digitaler Strategien – viele Mechanismen des Marktes ähneln sich.

Ein Boutiquemesse wie die Munich HIGHLIGHTS, die in diesem Jahr vom 15. bis 18. Oktober zum 17. Mal stattfindet, ist historisch gesehen ein Neuling im weitverzweigten Marktgetümmel von Händlern, Sammlern, Beratern und Mu-seumskuratoren. Die frühesten Kunst-messen aber fanden bereits im 15. Jahrhundert in Antwerpen statt. Im Hof eines Konvents offerierten1460 erstmals spezialisierte Händler im Schatten der großen Handelsmessen Gemälde und Luxuswaren. Ein Ideen-, Stil- und Kunsttransfer setzte sich in Gang. Manche italienische Altartafeln bekamen plötzlich eine nordeuropäische Note. Denn die flämische Kunst, die anders als im Florenz des 16. Jahrhunderts ohne Auftrag entstand, wurde nach Westen und Osten und über die Alpen exportiert. Überall dorthin, wo finanzstarke Käufer saßen.

Sind sie neugierig geworden auf die vielen Geschichten von Kunsthändlern, Traditionsgalerien und auf die Wechselwirkung zwischen Markt und Kunstgeschehen? Bislang hat die Kunstgeschichte vor allem die Viten und Beziehungen von Künstlern erzählt. Der De Gruyter Verlag leuchtet nun mit dem Band „Noble Begierde“ ganz neu die jahrtausendealte Liaison zwischen Kunst und Markt aus. Weniger von merkantiler Seite, sondern als Motor der Kunstgeschichte. Denn Galeristen und Museumsexperten, Sammler und Kritiker reagierten nicht nur auf neue Kunst-strömungen, schreiben die Herausgeber Christian Huemer und Stephan Koja. Sie schlüpfen oft in die Rolle des ersten glühenden Verfechters von neuen Ideen, sind Entdecker verlorener Meisterwerke und Impulsgeber in Fragen des Ge-schmacks und des Kanons.

EXPERTEN-TIPP //

SILBER – GLÄNZENDE TAFELKULTUR

Georg Jensen, Fischplatte mit Einsatz, 830er Silber, Kopenhagen, 1919. Courtesy Kunsthaus Kende

FRAU PETERSEN, IN IHREM MAGAZIN SALON GEHT ES UM INTERIEUR, KULTUR UND GASTLICHKEIT. 

GEHÖRT SILBER IHRER MEINUNG NACH HEUTE ZU EINER FESTLICHEN TAFEL?

Auf jeden Fall. Mal abgesehen vom Glanz, verbinden Stücke wie Leuchter, Zuckerdosen oder Silber-Bestecke oft persönliche Geschichten mit Epochen-Geschichte. Ein Gericht unter der Wärmeglocke aus einem Fürstenhaus zu servieren oder mit einem Jugendstil-Cremelöffel von Henry van de Velde das Dessert – eine herrliche Vorstellung. Diese Dinge stehen für die Ideen bedeutender Entwerfer. 

Ich finde, seine Silbertrophäen soll man nicht verstecken, sie gehören zum Genießen dazu. Statt an altmodischer Opulenz denke ich viel eher an die frische Ästhetik, wie sie Designer Henning Koppel im 20. Jahrhundert für Georg Jensen erdacht hat oder an die Art-Déco-Eleganz einer puristischen Wasserkaraffe von Puiforcat. Der Umgang mit Silber im Alltag, vielleicht zur Tea-Time oder um Konfekt zu servieren, ist immer eine kleine Feier des Hier und Jetzt. Das funktioniert genauso mit der flamboyanten Eleganz des Rokoko.

Der Mythos hält sich hartnäckig: Silber läuft sofort an. Ja, weil es mit schwefelhaltigen Stoffen der Luft reagiert. Wichtig ist vor allem eine sanfte Reinigung. Aggressive Tauchbäder oder Hausmittel wie Alufolie und Salz sind tabu. Wussten Sie, dass Hautfett der Silbersulfid-Bildung entgegenwirkt? Deshalb: Benutzen Sie ihr Tafelsilber regelmäßig.

Anne Petersen, Chefredakteurin SALON 

KULTUR-TIPP // SHOWTIME FÜR VARIOUS OTHERS

In der Galerie Deborah Schamoni: Maryam Hoseini, Diagonal Duration, 2025, Öl, Acryl, Tinte und Bleistift auf Holzplatte, 61 x 137,2 x 5,1 cm. Courtesy the artist/Green Art Gallery Dubai/Deborah Schamoni

London hat es, Berlin und auch München. Ein Wochenende, an dem die Stadt vibriert vor lauter Kunst. In Galerien, Off-Spaces und auch in manchen Künstlerateliers stehen die Türen weiter auf als sonst, die Ausstellungen sind eine Spur aufregender. Was sich in London Gallery Weekend nennt, heißt in München VARIOUS OTHERS und dauert gleich zehn Tage  – vom 14. bis 24. Mai. Ihr Konzept ist alles andere als gewöhnlich. Münchner Galerien laden Kollegen aus aller Welt zu Kooperationen ein. Deborah Schamoni und Green Art Galerie präsentieren beispielsweise die in Iran geborenen Maryam Hoseini. Galerie Lohaus Sominsky arbeitet mit dem Pariser Erfolgsgaleristen Kamel Mennour zusammen. Jahn und Jahn zeigen gemeinsam mit Matthew James Holman aus New York wilde Arbeiten von Willem de Kooning und intuitiven Farbkompositionen von Jana Schröder. Dazu jede Menge Talks, Performances, Diskussionen. 

Das ganze Programm unter https://variousothers.com/#explore

AUßERDEM // BLICK IN DAS GALERIEGESCHEHEN UNSERER AUSSTELLER

BECK & EGGELING INTERNATIONAL FINE ART hat dem ZERO-Künstler Heinz Mack, der im Galerieprogramm der Düsseldorfer schon seit Jahren eine Rolle spielt, zum 95. Geburtstag den roten Teppich ausgerollt und zeigt neuere Collagen, Pastellzeichnungen und Keramik des Farb- und Lichtmagiers. 

(www.beck-eggeling.de, bis 23. Mai)

FELIX JUD & CO. bringt  norddeutsches Flair in das Hamburger Antiqauriat – mit ungestümen Stimmungsbildern und zar-ten Apfelblütenzweigen der in Friesland lebenden Malerin Frauke Gloyer.

(www.felixjud.com, bis 30. Mai)  

GALERIE JORDANOW zeigt  in München, wie nah und doch so fern sich die skulpturalen, organisch-eruptiven Kera-miken der 1982 in München geborenen Keiyona und die wie Mikro-Organismen wimmelnden Abstraktionen der  Berliner Zeichnerin Biene Feld sind. 

(www.galerie-jordanow.de, bis 13. Juni, by Appointment)

GALERIE KOCH aus Hannover ehrt ebenfalls einen Jubilar aus den wilden 1960/70er Jahren. Horst Antes, der Erfinder der Kopffüßler, wird 90. Er konnte auch anders, wie das nebenstehende Gemälde zeigt. Dahinter verbirgt sich eine Auseinandersetzung mit den Köpfen Jawlenskys. 

(www.galeriekoch.de, bis 30. Mai)

Categories: NEWS 18085 KUNSTMARKT-GEFLÜSTER AUS ERSTER HAND

Der neue Art Market Report hat eine gute Botschaft für alle, die mit Kunst befasst sind: Es gab 2025 weltweit ein sanftes Wachstum für die Branche. Um vier Prozent auf insgesamt 59,6 Milliarden Dollar stieg der globale Umsatz von Händlern, Galeristen und Auktionshäusern. Man kann fast den Seufzer der Erleichterung hören, denn der Kunstmarkt ist ein fragiles Geflecht, abhängig von Wirtschaftskrisen, von politischen Konflikten und, und, und. Die Kunstmarkt-Ökonomin Clare McAndrew hält sich jedoch auch in ihrem zehnten Art Market Analyse, der von Art Basel und UBS herausgegeben wird, an Fakten und Zahlen.  

Munich HIGHLIGHTS 2025 am Stand der Galerie Utermann, Foto: Jens Bruchhaus

Das Branchenplus aber kommt nicht überall in gleicher Höhe an, gibt die Kunstmarkt-Journalistin Sabine Spindler zu bedenken. „Zum Umsatzzuwachs hat hauptsächlich der Auktionssektor mit einer Steigerung von neun Prozent beigetragen, vor allem im Hochpreis-segment. Und doch bleibt die Position des Handels beachtlich. Er bestreitet nach wie vor mehr als die Hälfte der weltweit erlösten Milliarden und verzeichnete einen Zuwachs von zwei Prozent.“, so die Markt-Beobachterin.

Wachstum gab es nicht in allen Regionen. Deutschland etwa ächst unter einer Wirtschaftsflaute. Das streut Sand ins Getriebe schwächerer Marktteilnehmer. Zehn Prozent hat der deutsche Kunsthandel eingebüßt. Frankreich hingegen legte um neun Prozent zu. „Für Galerien hat der Standort Paris nach dem Brexit enorm an Attraktivität gewonnen. Da wird ein Widerspruch deutlich. Wir haben sehr erfolgreiche, international agierende Galerien, aber der Standort Deutschland selbst erfährt im Moment kein Wachstum.“, meint Sabine Spindler.

Nicht nur für die Munich HIGHLIGHTS, die in diesem Jahr vom 15. bis 18. Oktober stattfindet, hat folgender Aspekt Relevanz: Messen bleiben laut Clare McAndrew eine zentrale Plattform für den Handel. Global gesehen setzten Galeristen und Händler 2025 mit einem Anstieg von vier Prozent mehr als 33 Prozent ihres Jahresumsatzes auf den 370 Messen von New York über Basel bis Seoul um, Online-Verkäufe hingegen gingen zurück.

Rosilene Luduvico, Esther I, 2016, Öl auf Kreidegrund, 40 x 30 cm, Courtesy Galerie Zink

Die Fakten des Art Market Reports bestätigen die gefühlte Insider-Wahrheit. Der Anteil der Gegenwartskunst ist mit 50 Prozent des weltweit erzielten Umsatzes weiterhin sehr hoch, trotz rückläufiger Verkäufe. Stärkere Zuwächse verzeichneten Moderne und Nachkriegskunst. „Weil ihre Preisspirale nach oben ging“, so Sabine Spindler. Weiter an Terrain gewonnen haben Künstlerinnen. Obwohl der sogenannte Gender Pay Gap unübersehbar ist. Im Primärsektor machen weibliche Positionen mittlerweile die Hälfte aus, ihr Anteil an der Wertschöpfung liegt jedoch nur bei 44 Prozent.

Der Art Market Report will kein Kunstkauf-Leitfaden sein. Er ist für die Branche ein Trend-Sensor. Dass das Flanieren über die HIGHLIGHTS vergnüglicher ist, steht außer Frage.         

EXPERTEN-TIPP //

RESTAURATORIN MARJEN SCHMIDT ZUM THEMA:LONGEVITY FÜR FOTOGRAFIEN

Sarah Moon, Toucan Russe, 2022, getonter Silbergelatine Abzug, 40 x 50 cm, © the artist, Courtesy Galerie Commeter

ZEITGENÖSSISCHE FOTOGRAFIE BESITZT DAS, WAS MAN WALLPOWER NENNT. WIE SOLL MAN ALS PRIVATSAMMLER MIT DEM MEDIUM UMGEHEN?

Wallpower-Abzug oder kleines subtiles Werk, schwarzweißer Silbergelatineabzug, großformatiger C-Prints oder Inkjetprints – die ursprüngliche Qualität einer Fotografie bleibt länger erhalten, wenn Sie, wie bei Arbeiten auf Papier, die Rahmung mit UV-undurchlässigen Verglasungen versehen und die Arbeiten nicht ins direkte Sonnenlicht hängen. Schützen Sie Ihre Sammlungsstücke vor Kaffee- und Rotweinflecken oder anderen Getränken, sie lassen sich nicht durch Bleichen oder Radieren entfernen. Auch Fingerabdrücke können bleibende Spuren hinterlassen, benutzen Sie Baumwoll- oder Einmalhandschuhe aus Nitril beim Handling. Hat sich ein Blatt gewellt, geben Sie es in die Hände von Fachleuten. Das empfiehlt sich auch bei Rissen, Knicken und Verschmutzungen der Oberfläche.

Für die Aufbewahrung – sowohl großer als auch handlicher Formate – wählen Sie am besten einen dunklen, kühlen und trockenen Raum, nicht über 20°C und unter 50% relativer Luftfeuchtigkeit. Dachböden und Keller sind ungeeignet. Kleinere Abzüge lassen sich im Passepartout in säurefreien Archivboxen lagern. Die Bildseite mit Archivpapier aus dem Spezialhandel abdecken und nicht in mitunter schädliche PVC-Hüllen aus dem Bürobedarf stecken. Es lohnt sich.

Marjen Schmidt, freie Restauratorin für Fotografien 

KULTUR-TIPP // SHERMANS TYPENKABINETT

Spiel der Verwandlung:  Cindy Sherman, Untitled #275, 1993, © the artist, Courtesy Sammlung Goetz, München

Um diese Charaktere muss man keine Legenden ranken lassen. Wir kennen sie. Die scheinbar Fröhliche in Ringelshirt und Baskenmütze, oder die nicht mehr taufrische Laszive im seidenen Pyjama, die ihre schweren Brüste zeigt und sich räkelt wie die Venus von Tizian. Cindy Sherman hat mit ihren Masken und Verkleidungen, in denen sie sich selbst als stereotype weibliche Rollenbilder stilisiert, Fotogeschichte geschrieben. Die Sammlung Götz zeigt bis 27. Juni in ihrer Interims-Galerie „Schaufenster“ in der Münchner Pacellistraße 5, die als Ausweichquartier während der Sanierung des Herzog- de Meuron-Baus dient, eine Auswahl von Motiven der Amerikanerin aus den 1980er/1990er Jahren. Überschaubar und gerade richtig für einen Kunstsnack zwischen Shopping und Sundowner in der Frühlingssonne. (www.sammlung-goetz.de)

AUßERDEM // BLICK IN DAS GALERIEGESCHEHEN UNSERER AUSSTELLER

Die GALERIE ALBERTINA · ZETTER in Wien hat einen guten Draht zum Nachlass Markus Prachenskys und feiert das vitale Werk des informellen Österreichers.Gestische Pinselstriche in Rot kennzeichnen seine Arbeit, die oft von Orten und Musik inspiriert wurde. Das verraten Titel wie „Korsika Bebop“ oder „Luxor Swing“ verraten. (www.galerie-albertina.at, bis 25. April)1

DIE GALERIE HEROLD in Hamburg schlägt mit „Abstrakt“ den Bogen von den 1930er und 1960er Jahren zu jüngeren Vertretern des Ungegenständlichen. Für die ältere Generation stehen Alexandra Povòrina und Johannes Gecelli. Neue Wege mit Anleihen bei der Farbfeldmalerei und dem Konstruktiven gehen Henning Kles und Daniel Hörner. 

(www.galerie-herold.de, bis 29. Mai)2

GALERIE NANNA PREUßNERS hat ihre international gefeierte Künstlerin Angela Glajcar selbstverständlich von Hamburg an ihren neuen Galeriestandort München mitgenommen.

Durch Schichtung von gerissenen Papieren und mit Hilfe von Licht schafft sie Objekte von großer Präsenz und Schönheit. „Faszinierend!“ heißt denn auch die nächste Ausstellung. (www.nannapreussners.de, 12. Juni bis 11. Juli)3

DIE GALERIE in Frankfurt schärft den Blick für Künstler und Künstlerinnen, deren Biographien in der DDR begannen. Johannes Heisig, Volker Stelzmann und Klaus Zylla gehören schon lange fest zum Galerieportfolio. Zum Trio gesellen sich Doris Ziegler, Hubertus Giebe und Lars Wiedemann u.a.

(www.die-galerie.com, 22. April bis 9. September)4

  1. Markus Prachensky, Cinque Terre, 2003, Acryl auf Papier 53,5 x 78,5 cm. Courtesy Galerie bei der Albertina · Zetter ↩︎
  2. Alexandra Povòrina, Abstrakte Komposition, 1933. Öl auf Karton, 37 x 46 cm. Courtesy Galerie Herold ↩︎
  3. Angela Glajcar, Terforation (2025-012), 2025, Papier, gerissen, 30 x 22 x 20 cm. Courtesy Galerie Nanna Preußners ↩︎
  4. Ellen Fuhr, Ostkreuz, 1999, Öl und Acryl auf Leinwand, 120 x 140 cm. Courtesy DIE GALERIE ↩︎
Categories: NEWS 18019 DEUTSCHER KUNSTHANDEL. INTERNATIONALE BÜHNE.

Für manche Sammler beginnt das Kunstjahr mit der TEFAF in Maastricht, wo vom 14. bis 19. März wieder mehr als 250 Top-Kunsthändler aus aller Welt das Beste zeigen, was der Markt derzeit zu bieten hat. Altmeister, Antiken, außereuropäische Kunst und natürlich auch Zeitgenössisches wie am Stand von Beck & Eggeling International Fine Art. 

Ausschnitt von: Manolo Valdés, Abstrakter Kopf, 2025, Stahl, Höhe: ca. 4 Meter. Courtesy Beck & Eggeling International Fine Art 

Die Galerie aus Düsseldorf ist übrigens nicht der einzige HIGHLIGHTS-Aussteller, der schon lange auf der TEFAF vertreten ist. Helga Matze European Silver glänzt wieder mit historisch bedeutsamen und handwerklich meisterhaftem Silber des 16. bis 18. Jahrhunderts. Und Galerie Utermann ist mit Werken von Gabriele Münter vertreten.

TEFAF-Messestand von Helga Matzke European Silver vom vergangenen Jahr. Courtesy Helga Matzke Silver 

Die Teilnahme an der TEFAF ist für viele Kunsthändler ein Meilenstein in ihrer internationalen Karriere. Die Kunstkammer Georg LaueWienerroither & KohlbacherLudorffGalerie Hidde van Seggelen und Langeloh Porcelain – Sie haben alle diesen Punkt vor Jahren bereits erreicht. In diesem Jahr reiht sich HIGHLIGHTS Co-Geschäftsführer Christian Eduard Landwers mit seinem Kunsthandel Christian Eduard Franke in den Kreis der TEFAF-Aussteller ein.             

Keith Haring, Ohne Titel (Dance), 1988, Sumi Ink auf Papier, 77 x 111 cm. Courtesy Ludorff

Die TEFAF gilt seit Jahrzehnten als glanzvolle Referenz unter den Kunst- und Antiquitätenmessen. Dass zahlreiche HIGHLIGHTS-Aussteller dort seit Jahren vertreten sind, unterstreicht die internationale Qualität des deutschen Kunsthandels. Die Galerie Schönwald, Peter Mühlbauer Kunsthandel, Senger Bamberg oder Galerie Thomas Schulte sind gestandene Namen auf dem internationalen Kunstmarktparkett. Und die nächste Generation ist auch schon da. In der Kategorie Showcase sind in diesem Jahr die drei Porzellan- und Object d’Art-Spezialisten von Trias Art Experts und Torres Nieto Fine Arts mit einer Auswahl an Altmeistern vertreten.  

EXPERTEN-TIPP: VOM UMGANG MIT MÖBELN

Rokoko-Kommode aus der Werkstatt der Gebrüder Spindler, Potsdam um 1765, Mahagoni, Ahorn, Rosenholz, feuervergoldete Beschläge, 80 x 114 x 68 cm. Courtesy Kunsthandel C. E. Franke  

Ein Blickfang am TEFAF-Stand des Kunsthandels C. E. Franke ist die Rokoko-Kommode der Gebr. Spindler. Herr Dr. Piening, ist so ein Möbel von Museumsformat im privaten Bereich nicht kompliziert?

“Historische Möbel sind robuster, als man denkt”

“Nein gar nicht. Historische Möbel sind robuster, als man denkt. Stücke, die auf der TEFAF oder der HIGHLIGHTS angeboten werden, sind in der Regel in einem optimalen Konservierungszustand. Damit das so bleibt, empfehle ich eine Luftfeuchtigkeit von 45 bis 60 Prozent sowie die Vermeidung von direktem Sonnenlicht und hohen Temperaturen. In Räumen, in die von mehreren Seiten Licht einfällt, schützen UV-Folien auf den Fensterscheiben empfindliche Möbelstücke. Falls sich eine Furnierstelle löst, sollte man diese nicht selbst mit lösungsmittelhaltigen Klebern oder Klebestreifen fixieren. Beauftragen Sie in diesem Fall einen Restaurator und bewahren Sie für ihn das Stück Originalsubstanz sorgfältig auf. Bei beschädigten Vergoldungen reicht oft eine Retusche, bei Wasserrändern haben Experten die richtigen Mittel. Von Polituren und Reinigungsmitteln aus Drogerien rate ich hingegen ab. Stichwort Wurmbefall. Giftige, chemische Begasungen sind längst nicht mehr zeitgemäß. Besser ist eine feuchtegeregelte Wärmebehandlung oder sogenannte Inertbehandlung. Die Kammern dazu sind auch mobil verfügbar. Experten in Ihrer Nähe finden Sie über den Verband der Restauratoren, VDR.”

Dr. Heinrich Piening, 

stellv. Leiter Restaurierungszentrum Bayerische Schlösserverwaltung

KULTUR-TIPP: DAS RIJKSMUSEUM IN AMSTERDAM

Ausschnitt von: Nachfolger des Guiseppe Arcimboldi, Grotesker Riese als anthropomorphe Landschaft, Italien um 1680, Öl auf Leinwand, 102,5 x 81,6 cm. Courtesy Marco Pesarese Fine Art 

Die Kunst und die Niederlande – das sind auch fern der TEFAF zwei Seiten einer Medaille. Unübertroffen bleibt das Rijksmuseum in Amsterdam, das derzeit mit Meisterwerken wie Caravaggios „Narzissus“ oder Louise Borugeois´ großer Spinnen-Skulptur „Mutter“ über die „Metamorphosen“ des Ovid reflektiert. Mythen, Ängste und erotische Fantasien durchziehen die antike Schrift. An Aktualität fehlt es ihr nicht in einer Zeit, wo die Grenzen zwischen Freund und Feind, Mann und Frau verschwimmen. Werke von Cellini bis Rubens, von Brancusi bis Magritte werden gezeigt. Darunter auch der groteske Riese, der als barocke Landschaft erscheint und mit dem HIGHLIGHTS-Aussteller Marco Pesarese im Herbst an seinem Stand die Münchner Messe-Besucher faszinierte.  

(Metamorphoses, bis 25.5.25, www.rijksmuseum.nl)

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